Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 29.04.2000
Hier hat ein ?bemerkenswerter Romancier?, dies der Schluss der Rezensentin Barbara von Beckers, ?seine opulenten Mittel etwas zu demonstrativ ausgestellt?. Vor allem die Anspielungen und Zitate aus Literatur und Philosophie des alten Kontinents, mit denen der junge kubanische Autor seine Protagonisten und ihre Leben ausgestattet hat, haben sie verärgert. Da halluziniert die blinde Marta von Brügge, Florenz und Paris, gibt es eine Irene, deren zerbrochener Krug mehr Zerbrochenes bedeutet als nur ihn; da glaubt ein alter Buchhändler, in seinem früheren Leben sei er Baudelaire gewesen und eine ?barfüßige Gräfin? zitiert Gessners Idyllen. Dabei leben sie alle in einer Enklave namens Mariano unweit der kubanischen Hauptstadt Havanna, und könnten sich eigentlich, so scheint die Rezensentin zu sagen, auf diesen Ort und seine Geschichte, d.h. Kuba zwischen dem Beginn der Revolution und Battistas Sturz am 31.Dezember 1958, beschränken. Allerdings geht es auch dort, wo sie das tun, weniger um Politik als um ?das finstere und das lachende Herz Kubas und seiner Menschen?, um Sehnsüchte des Davongehens und der Suche nach Glück. Wo der ?aufdringliche Wissensprunk? ihr den Blick nicht verstellt hat, anerkennt die Rezensentin dann durchaus die Fähigkeiten des Autors, mit ?diskreten und umso poetischeren Mitteln?, ?lyrischen Bildern und magischen Visionen? den Leser zu gewinnen.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 27.04.2000
Einfühlsam und begeistert bespricht Alfred Herzka diesen Romanerstling des, wie man von ihm erfährt, 1954 in Havanna geborenen Schriftstellers. Und der Rezensent vergisst auch nicht, die Übersetzerin als vorbildlich zu loben; ihre Arbeit hat der „Sprachgewalt“ des Autors vollkommen Genüge getan. Worum geht es? Es geht um eine Gruppe von Menschen, die der Autor auf einer Finca namens „Die Insel“ leben lässt und in vielerlei Form ihre stetige Hoffnung auf ein besseres Leben zeigt. Ständig wechselt der Erzähler von einer Zeit und einer Person in die andere und schafft so eine kollektive Geschichte Kubas von unten, schreibt Herzka, ohne sich und seine Geschöpfe an die Politik zu verraten. Vielmehr setzt er sich in einem Nachwort - „eine fesselnde Liebeserklärung an die wichtigsten Vertreter der Weltliteratur“, so Herzka - sogar mit Positionen von Proust, Flaubert und Stendhal zu Kunst und Politik auseinander. Das Wichtigste aber ist der Roman selbst, „eine Symphonie aus Wörtern und Metaphern: ein Meisterwerk“, das trotz tropischen Ambiente etwas ganz Universelles erfasst hat, findet der Rezensent.
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