Antonio Jose Ponte

Der Ruinenwächter von Havanna

Cover: Der Ruinenwächter von Havanna
Antje Kunstmann Verlag, München 2008
ISBN 9783888975110
Gebunden, 234 Seiten, 19,90 EUR

Klappentext

Aus dem kubanischen Spanisch von Sabine Giersberg. Havanna ist Pontes Heldin. Hier wohnt der Protagonist dieses Buchs, obwohl es in Havanna nicht gut läuft für ihn: Die Behörden halten ihn für einen Agenten, für die Kollegen im europäischen Exil ist er ein Idiot, weil er von seinen Reisen in den Westen immer wieder heimkehrt. Er aber bleibt - als Ruinenwächter und Chronist des äußeren und inneren Zerfalls. Buena Vista Social Club, Sartre, die Beatles, Graham Greene, Europa, Berlin und immer wieder Havanna - wer wissen will, wie das zusammengeht, sollte dieses Buch lesen.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 02.04.2009

Einen besseren Wegbegleiter als den durch Havanna flanierenden Ich-Erzähler in Antonio Jose Pontes jüngstem Buch kann sich Uwe Stolzmann nicht vorstellen, und er zeigt sich von diesem Stadtporträt, das zugleich eine scharfsinnige Studie der kubanischen Gesellschaft, Liebeserklärung und "Klagegesang" auf die einst blühende Stadt ist, sehr beeindruckt. Der Flaneur begegnet auf seinen Spaziergängen Sartre und Simone de Beauvoir, Graham Greene und dessen Romangestalt James Wormold und gibt sich als "Ruinologe" zu erkennen, der aus der zerstörten Stadt nicht nur die Vergangenheit, sondern auch aktuelle Tagespolitik und die aktive Vernachlässigung durch das Castro-System herausliest, erklärt der Rezensent. Stolzmann lobt die "kühle" Eleganz der Sprache und die Klugheit, die aus den kubanischen Betrachtungen spricht. Dass dem 1964 geborenen, heute im spanischen Exil lebenden Ponte, der einst "Liebling" der Parteioberen war, bevor er in Ungnade fiel, sein Ruinengesang so frei von Larmoyanz, "Hass" und Dissidentenerbitterung gelingt, imponiert dem Rezensenten besonders.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 30.06.2008

Florian Borchmeyer weiß nicht genau, welcher Kategorie das Buch von Antonio Jose Ponte zuzurechnen ist: Roman, Essay, Autobiografie? Auf jeden Fall entdeckt er Elemente der Realsatire und des Science-Fiction, wenn Ponte seine ganz persönliche Chronik Havannas und eine Kulturgeschichte des Überwachungsstaates schreibt. Gut gefallen haben Borchmeyer der Esprit und die Komik des Textes, seine Wendigkeit und analytische Schärfe sowie der Umstand, dass der Autor keinen verbiesterten Dissidententon anschlägt. Wenn Pontes Held von Havanna nicht loskommt und zugleich den politischen Verfall seines Landes im Ruinengleichnis konstatiert, wenn scheinbar episodisch Figuren wie Sartre und Beauvoir oder Wim Wenders und Ry Cooder den Text bevölkern, glaubt der Rezensent, dem Herz der Handlung ganz nah zu sein, dem Herz des Autors übrigens auch.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 04.04.2008

Nicht Hass, aber Wut, nicht Elegisches noch Melancholie, aber genaue Erinnerung mit Biss konnte Hans-Peter Kunisch in diesem etwas anderen Kuba-Buch ausmachen. So regimekritisch wie Antonio Jose Ponte das Altern und den Zerfall in Havanna thematisiert, wundert es den Rezensenten wenig, dass der Autor in seiner Heimat keine Publikationsmöglichkeiten mehr hat. Für Kunisch jedoch war die Lektüre allemal angenehmer als das vorherrschende  "Buena-Vista-Melancholie-Gesumm, das in Castros Wendekreis heute die Regel zu sein scheint":
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