Ein Leben ohne Termine ist heute kaum vorstellbar. Zeit ist ein kostbares Gut, das verwaltet und genutzt sein will. Doch die Zeit ist vor allem eine Idee. Der Historiker Achim Landwehr erzählt, wie sich im 17. Jahrhundert das Verhältnis der Menschen zur Zeit, zu Gegenwart, Zukunft und Vergangenheit, verändert hat. Bis dahin glaubten die meisten Menschen in Europa, die Apokalypse und das Reich Gottes stünden kurz bevor - wozu also die Gegenwart gestalten, da man damit die Zukunft doch nicht verändern kann? Doch nach und nach wurde beides, Gegenwart und Zukunft, als Zeitraum der Möglichkeiten wahrgenommen. Dies zeigte sich an vielen kleinen Veränderungen: Kalender, die bis dahin aus eng bedruckten Seiten mit astrologischen Informationen bestanden, boten nun Platz für persönliche Einträge, Zeitungen berichteten vom Hier und Heute, und mit Versicherungen sorgte man für das Morgen vor. Die überraschende Geschichte von der Geburt eines neuen Zeitwissens, durch das sich die Welt ebenso grundlegend wandelte wie durch die großen Entdeckungen von Galilei bis Newton.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 03.09.2014
Die Eroberung der Gegenwart als Emazipationsprozess erkennt Thomas Meyer mit Achim Landwehrs Buch. Wenn der Autor erstmals Forschungen zum Wandel der Wahrnehmung, Bedeutung und Funktionalisierung von Zeit in einer starken These zusammenfasst, sieht Meyer eine Lücke geschlossen. Die Geburt der Gegenwart im 17. Jahrhundert belegt ihm der Autor dabei auf beeindruckende Weise mit "imlodierenden" Zukunftsaussichten, einer Stück für Stück wegfallenden Vergangenheit und sich auflösenden religiösen Weltbildern. Landwehrs einfache Feststellung, Gegenwart sei die Zeit, in der wir tatsächlich lebten, täuscht den Rezensenten nicht darüber hinweg, dass das Buch klug konzipiert und gut und vor allem sehr gelassen geschrieben ist.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 29.08.2014
Die Gegenwart ist voraussetzungsvoll, weiß Rudolf Schlögl, sie muss sich erst von einer übermächtigen Vergangenheit befreien, um einen Raum zu öffnen, in dem über eine kontingente Zukunft ver- und auf sie hin gehandelt wird. Der Historiker Achim Landwehr verortet in seinem Buch "Geburt der Gegenwart" ihren Anfang im siebzehnten Jahrhundert, berichtet der Rezensent, wo das Auftauchen des gedruckten Kalenders eine chronologische und eben kalendarische Organisation der Zeit erlaubte, und unterstützt seine These mit zahlreichen Beispielen für Neuerungen dieser Epoche, die das veränderte Zeitbewusstsein voraussetzen, fasst Schlögl zusammen. Das Buch mag sich vor allem an interessierte Laien richten, dürfte aber auch für "die kleine Schar der Zeitforscher" gewinnbringend sein, vermutet der Rezensent.
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