Aus dem Amerikanischen von Pocia und Roberto de Hollanda. Manche Menschen wirken ein wenig verloren auf dieser Welt, weil sie selbst etwas unwiederbringlich verloren haben. Einige von ihnen führen ein scheinbar normales Leben, andere fliehen in eine Welt, die ihren Geist für immer gefangen hält. Aber immer dann wenn sie glauben, auch die Liebe sei aus ihrem Leben entschwunden, taucht sie plötzlich wie aus dem Nichts vor ihnen auf - und war doch die ganze Zeit über schon da.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 17.02.2004
Durchweg begeistert ist Angela Schader vom Debüt des Amerikaners Adam Haslett, das in neun Erzählungen die "Nachtseite" menschlicher Erfahrungen ausleuchtet. In den "präzise" situierten Texten zeichne der 1970 geborene Autor "karg" und doch äußerst plastisch zumeist psychisch geschädigte Figuren, wie zum Beispiel den manisch-depressiven Lebenskünstler Franklin Caldwell Singer, der in seiner euphorischen Phase wie der "Blitz" in das leidlich geordnete Leben seines ebenfalls manisch-depressiven Sohnes fährt. Die "höllische und tragische Ambivalenz" von Eltern-Kind-Beziehungen ist überhaupt eines der Hauptthemen Hasletts, das er mit verstörender "Klarheit", ohne indessen den Sinn fürs Humane zu verlieren, immer wieder variiert, schreibt unsere Rezensentin. Das so entstandene Werk erweist sich für Schader als eine "fast schlackenlose Verbindung menschlicher und künstlerischer Gewissenhaftigkeit".
Martin Zähringer fühlt sich bei der Lektüre von Adam Hasletts Debüt-Erzählband an die Atmosphäre der Bilder von Edward Hopper Erinnert: Das Leitthema der Geschichten sei Angst, und obwohl "Adam Haslett neun Variationen zum Thema geschrieben hat, lässt [er] Widerstände zu." Diese Brechungen und Ambivalenzen machen die Geschichten nach Meinung des Rezensenten erst interessant. Sie bringen "Bewegung in die Lektüre" und hinterfragen moralische Gewissheiten und Hierarchien. Die einzige Sicherheit ist die "Suche nach Intimität", die sich durch die Geschichten zieht, und die "Hasletts Konzept des kalten Blicks vor dem Umkippen bewahrt". Dem Rezensenten gefällt auch das "kontrastive Gegenlicht", dass durch den psychiatrischen Blick, zum Beispiel den häufig verwendeten "Wahrnehmungsmodus des Manisch-Depressiven", auf das Erzählte geworfen wird.
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