Die Unabhängigkeitserklärung der Sozialistischen Republik Makedonien von Jugoslawien 1991 löste im benachbarten Griechenland eine Protestwelle aus. Die angrenzende griechische Region Makedonien beanspruchte den Namen für sich. Die Makedonische Frage dominierte seitdem die Innen- und Außenpolitik Griechenlands und beeinflusste dessen Haltung in der Jugoslawien-Krise stark. Bis heute verlangt Athen von der Republik Makedonien eine Änderung ihres offiziellen Namens. Angesichts der zunehmenden makedonischen Anstrengungen, Mitglied der NATO und der EU zu werden, gewinnt der Namensstreit erneut an Brisanz. Adamantios Skordos beleuchtet die Rolle des Griechischen Bürgerkriegs in der zweiten Hälfte der 1940er Jahre sowie seiner späteren geschichtspolitischen Vereinnahmungen für die Haltung der Griechen 1991.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 01.10.2012
Mit diesem Buch des griechisch-österreichischen Historikers Adamantios Skordos begreift Michael Martens die außenpolitischen Ziele der Griechen vor allem in der Mazedonien-Frage etwas besser, für irrational hält er sie dennoch. Die These des Autors, der die aktuelle griechische Mazedonien-Politik wesentlich auf den griechischen Bürgerkrieg bis 1949 zurückführt, scheint Martens in diesem Buch überzeugend dargelegt. Ihr zufolge steht am Beginn der Problematik die offizielle Athener Erinnerungs- beziehungsweise Verdrängungspolitk bezüglich der deutsch-italienisch-bulgarischen Besatzung und der slawischen Beteiligung (auf Seiten der griechischen Kommunisten) am folgenden Bürgerkrieg. Die Sozialisation der aktiven griechischen Politikergeneration zu jener Zeit erhält im Hinblick auf die Mazedonien-Politik für Martens neue Bedeutung.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 11.06.2012
Rainer Stephan stellt ein "Standardwerk" vor, das nicht nur in Sachen griechische Geschichte Maßstäbe setzt, wie er findet. Mit Gründlichkeit und spannender Erzählweise überzeugt den Rezensenten Adamantios Skordos Untersuchung über Griechenlands Makedonische Frage als Studie über die Verschränkung von Geschichte beziehungsweise historischer Selbsvergewisserung und Politik und ihre fatalen Folgen. Dass der Autor den in Makedonien erbittert geführten Bürgerkrieg und die Entstehung eines makedonischen Staates in der zweiten Hälfte der 1940er Jahre als Ausgangspunkt für seine Untersuchung wählt, leuchtet Stephan ein. Eindrucksvoll zeigt ihm der Autor, wie die teils antidemokratische Ideologisierung sich entwickelte und ein repressiver Staat entstand, der das politische System Griechenlands dauerhaft beschädigen konnte.
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