Aglaja Veteranyi

Das Regal der letzten Atemzüge

Roman
Cover: Das Regal der letzten Atemzüge
Deutsche Verlags-Anstalt (DVA), Stuttgart 2002
ISBN 9783421053770
Gebunden, 131 Seiten, 16,90 EUR

Klappentext

Mit einem Nachwort von Werner Löcher-Lawrence und Jens Nielsen. In ihrem zweiten Roman läßt Aglaja Veteranyi die erwachsen gewordene Erzählerin aus ihrem erfolgreichen Erstling "Warum das Kind in der Polenta kocht" einen neuen, geänderten Blick auf Familie und Leben werfen, hin- und hergerissen zwischen Mutter und Tante und immer neu auftauchender Verwandtschaft. In ihrem neuen Roman, den Veteranyi vor ihrem tragischen Tod vollenden konnte, erzählt sie von der inzwischen erwachsenen Heldin, die als junge Frau, verstrickt in die eigene Geschichte, versucht, sich aus ihren Zwängen zu lösen...

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 31.10.2002

Sibylle Birrer hat den letzten Roman der im vergangenen Februar durch Selbstmord verstorbenen rumänisch-schweizerischen Autorin Aglaia Veteranyi gelesen. Darin bewegt sich die Autorin laut Birrer auf zwei Achsen, gebildet durch "das fremde Rumänien der Familienbande und die fremde Schweiz ihrer Gegenwart". Birrer begreift den Roman, der vom Sterben der Tante, begleitet von der Nichte, erzählt, nicht als Abschiedsbuch: "wer mit einer solchen Intensität von Sterben spricht, steht mitten im Leben". So lobt die Rezensentin das Können der Autorin, die "komplexe Geschichten in ganz einfachen und knappen Zügen" erzählt, "indem sie die Charaktere entlang ihrer Körperwärme skizziert". Daher trauert Birrer um diese besondere Stimme der Literaturwelt, deren letztes Buch eine Art "Totenkuchen" darstellt, von dem Lebende und Tote zehren: "Ganz in diesem Sinne leuchten die bunten Smarties auf ihrem Totenkuchen irgendwie herzlich zum Abschied".

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 22.10.2002

Was der Titel bedeutet, verrät uns Hans-Peter Kunisch nicht. Dafür jedoch lässt er uns teilhaben an seiner eigenen Verstörung und Beeindrucktheit von diesem nachgelassenen Buch einer vierzigjährigen Autorin, die über den Tod geschrieben hat und sich vor der Beendigung dieses Romans umbrachte. Sehr feinfühlig gegenüber diesem Text, der "auf den ersten Blick" disparat ist, weil Veteranyi im "temporeicher Mischung" alle möglichen Formen probiert, ­­- wütend dagegen auf den "gelenkig einordnenden Literaturkonsum" schreibt sich Kunisch seine Betroffenheit vom Leib. Betroffen ist er über den "Familien-Hass-Roman" und über den kraftvollen "Trauer-Wut-Verzweiflungs-Drive", der das Buch für ihn auszeichnet, und schreibt dazu, hier sei eben nicht alles nur als Literaturgenuss da, sondern man müsste "manchmal über die Wörter nachdenken". Traurig konstatiert er am Ende, dass am 3. Februar dieses Jahres "die deutschsprachige Literatur eines ihrer kraftvollsten und eigenwilligsten Talente verlor".

Beliebte Bücher

Elias Hirschl. Schleifen - Roman. Paul Zsolnay Verlag, Wien, 2026.Elias Hirschl: Schleifen
Franziska Denk wächst im Umfeld des Wiener Kreises auf und leidet als Kind an einer seltsamen Krankheit: Jedes Symptom, von dem sie hört oder liest, bekommt sie sofort. In…
Jana Hensel. Es war einmal ein Land - Warum sich der Osten von der Demokratie verabschiedet. Aufbau Verlag, Berlin, 2026.Jana Hensel: Es war einmal ein Land
In ihrem neuen Buch erzählt die Bestsellerautorin Jana Hensel vom Ende eines großen Traums. Denn das, was vor über 35 Jahren als Aufbruch in eine neue Ära begann, wird nun…
Julian Barnes. Abschied(e). Kiepenheuer und Witsch Verlag, Köln, 2026.Julian Barnes: Abschied(e)
Aus dem Englischen von Gertraude Krueger. Julian Barnes wird im Januar 2026 achtzig Jahre alt. Er weiß, dass die längste Zeit seines Lebens hinter ihm liegt, und er möchte…
Norbert Gstrein. Im ersten Licht - Roman. Carl Hanser Verlag, München, 2026.Norbert Gstrein: Im ersten Licht
Zwei Weltkriege, ein Jahrhundert: ein eigenwilliges Leben voller Schönheit, Tragik und Widersprüche. Norbert Gstrein schenkt uns ein ganzes Menschenleben. Dabei ist jedes…