Aus dem Jiddischen von Ernst-Harald Dähnhardt. Mit einem Nachwort von Dorothea Greve. Bukarest - das war 1932 der Zufluchtsort für den 19-jährigen Yechiel Shraibman, nachdem er wegen revolutionärer Aktivitäten das Hebräische Lehrerseminar in Tschernowitz verlassen musste. In der großen jüdischen Gemeinde und in der bunten Künstlerszene der rumänischen Hauptstadt findet er Anregungen für die ersten Novellen. Es ist die Welt der kleinen Leute, der Handwerker, Händler, Schauspieler und Lebenskünstler, die Shraibman in liebevollen Porträts nachzeichnet. Das Idyll indes trügt: Im Hintergrund hallt schon der Stiefeltritt der Nationalsozialisten.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 16.05.2009
Freudig begrüßt Rezensent Markus Bauer diesen autobiografisch gefärbten Roman, der für ihn ein "Meisterwerk der jiddischen Literatur" ist. Das Buch entwirft in seinen Augen ein Panorama des Lebens in den jiddischen Vierteln Vacaresti und Dudesti in Bukarest, bei dem vor allem die jiddischen Autoren im Mittelpunkt stehen, die trotz widrigster Bedingungen an ihrer Berufung festhalten. Dank seiner Tätigkeit als Souffleur am jiddischen Theater der Stadt gelinge es dem Protagonisten, die Großen der jüdischen Bühne und der Literatur wie Itzik Manger, Moshe Altman oder Shlomo Bickel kennenzulernen. Bauer bescheinigt dem Autor, die Romanhandlung aus Erinnerungsskizzen mit kleinen Rückblenden und Vorgriffen filigran komponiert und in "dichterischen Reflexionen Detail und überspannende Lebenshaltung als Lebens- und Schreibentwicklung" vorgetragen zu haben. Überzeugend findet er auch die deutsche Übersetzung des Romans. Bleibt für ihn die Hoffnung, dass nach dieser Entdeckung bald auch die anderen Bücher Shraibmans auf deutsch veröffentlicht werden.
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