Agnes Nemes Nagy

Mein Hirn: ein See

Gedichte
Cover: Mein Hirn: ein See
Urs Engeler Editor, Holderbank 2022
ISBN 9783906050898
Kartoniert, 226 Seiten, 18,00 EUR

Klappentext

Herausgegeben und aus dem Ungarischen übersetzt von Christian Filips und Orsolya Kalasz. "Dennoch schauen, schauen / Schauen sagte sie, weißt du / wie eine Narbe am Baum". Sie schauen uns an, die Metalle, Monster, Seen, Bäume und Narben in den Gedichten von Ágnes Nemes Nagy, die im Januar 2022 einhundert Jahre alt geworden wäre. Franz Fühmann nannte die ungarische Dichterin eine "Königin der magyarischen Poesie" und forderte bei der ersten deutschsprachigen Ausgabe ihrer Gedichte: "Die Buchhandlungen und Bibliotheken sollten flaggen, mit Bannern und Wimpeln und Standarten, in den Traumfarben der Poesie." Blickt man auf das Gesamtwerk, so zeigt sich darin eine ganze Kosmologie von Sprechweisen. Organische und anorganische Objekte werden zu Akteuren. Das lyrische Ich dieser Texte ist nicht Deutungszentrum, sondern schmerzempfindliche Membran, "Erinnerung der Erde", zufälliger Kreuzungspunkt, Echo oder Spiegelreflexion. Viele dieser Gedichte lesen sich wie Lehrstücke zum Verlernen der abendländischen Subjektivität, wie Anleitungen hin zu einem anderen Blick, einem Blick vom Anderen, Nicht-Menschlichen aus.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 24.05.2023

Dass die 1991 verstorbene ungarische Dichterin Ágnes Nemes Nagy einmal als "Königin der magyarischen Poesie" bezeichnet wurde, kann Rezensent Tom Schulz sehr gut nachvollziehen. Diese neue Edition ihrer Lyrik enthält erstmals auch Arbeiten aus dem Spätwerk der Dichterin, freut sich der Kritiker. Er bewundert ihre Poesie der "subtilen Beunruhigung und hellsichtigen Klarheit", die sich auch - Nemes Nagy erlebte das sozialistische Ungarn der fünfziger und sechziger Jahre - gegen Unterdrückung und Inhumanität wendet. Die gekonnte Übersetzung von Christian Filips und Orsola Kalász ermöglicht den deutschen Lesern die Lektüre dieses "substanziellen Werks", von dem sich auch heutige Autoren noch etwas abschauen können, ist sich Schulz sicher.

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