Ursula Krechel

Gehen. Träumen. Sehen. Unter Bäumen.

Essays
Cover: Gehen. Träumen. Sehen. Unter Bäumen.
Jung und Jung Verlag, Salzburg 2022
ISBN 9783990272619
Gebunden, 480 Seiten, 30,00 EUR

Klappentext

Weitläufig sind die Räume, die Ursula Krechel mit diesen Essays aufschließt. Mit Staunen folgt man ihr, wenn sie der Gangart Casanovas nachforscht, mit der dieser sich durch seine Zeit bewegt hat, wenn sie sich erinnert, wie sie mit Rolf Dieter Brinkmann gegen dessen Widerstand ein Interview zu führen versucht hat, wenn sie sich bei Betrachtung eines Porträtbildes fragt, wer wen erkennt, wenn ein Maler den Malerfreund malt, und darüber nachdenkt, wie man in Diktaturen träumt, von einer nie angetretenen Reise zum Ursprung des Apfels erzählt, Dichtern und Apfelzüchtern nachspürt oder Spuren in die Welt von Uwe Johnson, Daniil Charms, Federico García Lorca, Katherine Mansfield u. a. folgt.Der Titel dieses Buches ist Programm: Gleich welcher Gegenstand, Ursula Krechels Essays sind Aufzeichnungen einer gedanklichen Bewegung, die immer dem genaueren Sehen dient, Annäherungen, Umkreisungen, Betrachtungen im Versuch, das zu beschreiben, was sich dem ersten Blick entzieht. Nie genügt ihr, was sie bereits weiß. Ihre Essays sind keine Exkurse zur Belehrung, sondern Exkursionen in unermessliche Räume des Denkens und Schauens.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 28.05.2022

Rezensent Helmut Böttiger ist ganz hingerissen von Ursula Krechels Essayband. In einer "geglückten Verbindung" von Abstraktem und Körperlich-Sinnlichem, von konzisen Überlegungen und assoziativen Streifzügen geht es um allerlei Verschiedenes, resümiert Böttiger: um die strukturelle Gemeinsamkeit der Psychoanalyse mit der zeitgleich eingeführten Métro etwa, die beide unterirdische Verbindungen ziehen, um die Biografie Giacomo Casanovas in Bezug auf vorbürgerliche Lebensformen, oder auch um autobiografische Erinnerungsstücke der Autorin. So folgt der Kritiker begeistert Krechels Zurückdenken an ein Treffen mit Rolf Dieter Brinkmann, aus dem ein gemeinsam verfasstes "Assoziationsgedicht" hervorging - ein "beeindruckendes literaturgeschichtliches Zeugnis", das im Buch in Faksimileform zu begutachten sei. Auch die Aphorismen über Sprache, die die Autorin "en passant" fallen lasse, scheinen dem Kritiker unglaublich reichhaltig - schöner kann man eigentlich nicht über das Dichten schreiben, lässt er abschließend durchblicken.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 09.03.2022

Rezensentin Rose-Maria Gropp folgt Ursula Krechels Einladung zum denkenden Schweifen bzw. schweifenden Denken. Krechels hier versammelte Essays über Bewegung und Bewegungslosigkeit, den Feminismus, das eigene Leben, Lesen und Schreiben zeugen laut Gropp von frappierendem (Lektüre-)Wissen. Von Casanova über die Bronte-Schwestern bis Friedrich Overbeck und Friedrich den Großen reichen die Bezüge, staunt Gropp. Krechels quecksilbrige Wahrnehmung und ihre Lust, sich auf das Abenteuer des Erkennens einzulassen, findet Gropp angenehm ansteckend.

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