Alan Bennett

Ein Kräcker unterm Kanapee

Cover: Ein Kräcker unterm Kanapee
Klaus Wagenbach Verlag, Berlin 2010
ISBN 9783803112682
Gebunden, 128 Seiten, 15,90 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Ingo Herzke. Sechs Menschen - sechs britisch-bizarre Schicksale: Da ist zunächst Graham, der - weit über vierzig - noch immer zu Hause bei seiner Mutter wohnt und gar nicht gut auf Mr. Turnbull zu sprechen ist, der Mama den Hof macht und ihr eine Hochzeitsreise auf die Kanarischen Inseln verspricht. Susan hingegen, Ehefrau des Vikars, schaut häufig mal zu tief ins Glas und verliebt sich in den indischen Gemüsehändler an der Ecke. Miss Ruddock zeigt uns, wie extensives Briefeschreiben dazu führen kann, dass man im Gefängnis landet, während die naive Mittdreißigerin Lesley von einem deutschen Filmproduzenten übers Ohr gehauen wird und die Hüllen fallen lässt. Muriel schließlich hat bis heute den Tod ihres Ehemanns nicht verwunden ebenso wenig wie die hochbetagte Doris, die einen Kleinkrieg gegen ihre Putzfrau und Altenpflegerin führt und der ein Kräcker unterm Kanapee zum Verhängnis wird.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 18.09.2010

Spätestens jetzt sollte dem Schriftsteller und Bühnenautor Alan Bennett auch hierzulande die Popularität zuteil werden, die er in seiner Heimat Großbritannien schon lange genießt, meint Rezensent Michael Schmitt. Bereits 1988/89 hatte er für das britische Fernsehen (später auch in Buchform) die Serie "Talking Heads" produziert, in der meist "einfache Charaktere" von den Sorgen und Enttäuschungen ihres Alltags berichten konnten. Sechs dieser Monologe sind nun unter dem Titel "Ein Kräcker unterm Kanapee" ins Deutsche übersetzt worden und der Rezensent stellt fest, dass das vordergründig Satirische dieser Geschichten nach und nach die Tragik ihrer Figuren durchblicken lässt: Erzählungen wie die eines erwachsenen Mannes, der sich beim Zusammenleben mit seiner Mutter von deren neuem Freund gestört fühlt, haben immer etwas "Schrulliges", so Schmitt, die Verlorenheit der Charaktere, die um Selbstsicherheit ringen und dennoch hinter ihre Fassaden blicken lassen, bewirken beim Leser aber schnell ambivalente Gefühle. Kunstvoll, wie Bennett es gelingt, mit einfachen Mitteln "Wortkaskaden und Selbstrechtfertigungen" loszutreten, urteilt der beeindruckte Rezensent.
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