Alan Bennett

Vater, Vater lichterloh

Zwei Kurzromane
Cover: Vater, Vater lichterloh
Klaus Wagenbach Verlag, Berlin 2002
ISBN 9783803131683
Gebunden, 128 Seiten, 15,50 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Ingo Henzke. Mr. Midgley hat seinen übermächtigen Vater oft vergeblich zum Teufel gewünscht. Nun ist es endlich soweit. Während der Vater auf der Intensivstation hinüberdämmert, zieht sich der Sohn dessen viel zu große Hosen an und macht mit der Krankenschwester seiner Ehe den Garaus. Die Frage ist, ob sich irgend etwas geändert hat für ihn... Pater Jolliffe hingegen muß einen Gedenkgottesdienst für den Bettgefährten der "beautiful people" von London zelebrieren. Einen Mann, den er selbst ganz genau kennengelernt hat. Die traurige Zeremonie verwandelt sich jedoch unversehens in einen überaus sinnenfrohen Dankgottesdienst, denn es kommt heraus, woran dieser Mann nicht gestorben ist...

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 24.07.2002

Bislang ist Alan Bennett als Dramatiker hervorgetreten, nun präsentiert er sich als Erzähler: Marion Löhndorf rezensiert zwei Kurzromane des Briten, die mit Witz und Humor den Tod und seine Begleitumstände auf die Schippe nehmen, und siehe da, "der Tod wird entdämonisiert", meint Löhndorf. Gefallen hat ihr vor allem die titelgebende zweite Geschichte des Bandes: "Vater, Vater lichterloh", die vom Sterben eines Mannes im Krankenhaus berichtet, der sich noch auf dem Sterbebett einen deprimierenden Machtkampf mit seinem Sohn liefert. Vor allem die Schilderung des Randgeschehens, der unwillig kommenden Verwandten, des achtlos behandelten Pflegepersonals, des gesamten Krankenhausgeschehens, das mit den Protagonisten eigentlich nichts zu tun hat, findet Löhndorf literarisch am bestechendsten: mehr aus gedankenloser Konvention als aus Bösartigkeit handeln die Beteiligten in ungetrübtem Egoismus, stellt Löhndorf fest. Auch bei der ersten Erzählung erscheinen ihr eher die Trauernden und Überlebenden als Gespenster, und nicht etwa die Toten, aber bei dieser ersten Kurzgeschichte entgleitet Bennett in selbstgewisser Manier gegen Ende die Feder, schreibt Löhndorf. Die Selbstgefälligkeit, die er karikiert, werde von ihm selbst am Ende wiederholt.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 30.05.2002

Eine Totenfeier als Beschwörung der Lebenslust - Rezensent Michael Schmitt ist begeistert vom ersten der beiden Kurzromane ("Hand auflegen") des Bandes und bezeichnet den Autor als "eine der profiliertesten Stimmen der angelsächsischen Literatur". Im Kirchenschiff, wo sich ein ganzes Establishment versammelt hat, das mit dem Verstorbenem (einem jungen schwarzen Masseur) sexuelle Beziehungen unterhielt, sieht Schmitt eine ganze Gesellschaft schwitzen: eine Gesellschaft, "die sich in vollem Verfall befindet". Angst vor Aids, Libertinage und religiöse Heuchelei spielen eine Rolle, aber die literarische Qualität hebt diese Geschichte nach Ansicht des Rezensenten über eine moralische Satire "hoch hinaus". "Knochentrockener britischer Humor", kondensiert in dicht geschriebenen Genrebildern, trägt zur Begeisterung des Rezensenten bei, dem auch das zweite "nicht mehr ganz neue Prosastück" des Bandes ausgesprochen gut gefiel.
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