Aus dem Englischen von Chris Hirte. Wie seine Biographie waren Alberto Manguels Bücher über viele Länder verstreut: Tel Aviv, Buenos Aires, Mailand, Barcelona, Tahiti, Montreal - überall ließ er Bücher zurück und nahm Erinnerungen mit, die er nun in einer Bibliothek vereinigt. Monat für Monat nahm Manguel sich 2001/2002 je eines seiner Lieblingsbücher vor, von Don Quichotte zu Kipling, von Sherlock Holmes zu H.G. Wells und dem "Wind in den Weiden". Draußen konnte man fürchten, die Welt breche auseinander: das Attentat auf das World-Trade-Center, die Invasion des Iraks. Aber lesend zeigt uns Alberto Manguel, wie man als wacher Beobachter auch in solchen Zeiten den Überblick nicht verliert.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 18.10.2005
Mit seinem "Tagebuch eines Lesers", das sowohl von Vergangenem und Alltäglichem als auch von seinen zwölf Lieblingsbüchern handelt, schenkt Alberto Manguel dem Leser ein "erfrischendes" und dabei sowohl "gelehrtes" wie "vergnügliches" Handbuch zur Handhabung von Texten und Jahreszeiten, schreibt der Rezensent Martin Meyer zufrieden. Immer wieder erscheine das Buch als "Pforte für die Memoria". Manguel verhandelt die Frage, ob angesichts der postmodernen Schnelligkeit des Lebens die großen Zäsuren der Geschichte überhaupt noch zu verstehen sind und beantwortet sie gleich selbst mit einem entschiedenen Nein. Die gegenwärtig vorrangige Zeitwahrnehmung als Vorstellung eines "ewiges Jetzt" verzichte auf den geschichtlichen Blickwinkel. Doch als reine Zivilisationskritik sei das Buch nicht zu verstehen, hebt Meyer hervor. Denn es ist die "curiosite intellectuelle", die Entdeckerfreude, die sein Lesen und Schreiben prägt. Letztendlich, so Meyer, ist das "Tagebuch eines Lesers" eine Liebeserklärung an das Lesen und das, was es dem Leser schenkt: der Frage nach der eigenen Identität eine mannigfaltige, reiche, sich mit jeder Lektüre wandelnde Antwort zu geben.
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