Übersetzt von Bärbel Jänicke. Bis heute wirken die Folgen des Massakers vom 4. Juni 1989 am Platz des Himmlischen Friedens in der chinesischen Wirklichkeit nach. Liao Yiwu versammelt dazu bislang unveröffentlichte Texte. Er schreibt über den bisher nicht identifizierten Mann, der sich allein, mit Einkaufstüten in den Händen, einem Konvoi von Panzern der Volksbefreiungsarmee in den Weg gestellt hat und damit zur Ikone des Widerstands wurde. Er erzählt von dem Leben seiner Knastbrüder und veröffentlicht erstmals Briefe, die er damals aus dem Gefängnis an seine Frau schrieb, ohne sie je abgeschickt zu haben.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 03.06.2019
Als Antidot gegen das Vergessen empfiehlt Rezensent Marko Martin diesen Band des chinesischen Schriftstellers Liao Yiwu, der unermüdlich an seinen Erinnerungen festhält. Erinnerungen an das Massaker auf dem Platz des Himmlischen Friedens, an Herrn Wang, der die Panzer zum Stehen brachte, an seine eigenen Mitgefangenen. Eindringlich, präzise und "voll emotionaler Wucht" nennt der Rezensent den Band und zögert nicht, ihn mit Alexander Solschenizyns "Archipel Gulag" zu vergleichen.
Herbert Wiesner liest die Erinnerung an das Massaker auf und um den Platz des Himmlischen Friedens in Peking von Liao Yiwu mit Beklemmung. Die mit abgedruckten Notizen, Briefe und Telefonmitschriften um die Versuche, den inhaftierten Dichter Liu Xiaobo nach Deutschland zu holen, lesen sich laut Wiesner teils irritierend privat. Das ebenfalls im Band enthaltene Gedicht Lius gibt dem Rezensenten einen Eindruck vom Leben und Lieben unter den Bedingungen der Diktatur. Das Pathos der Texte begreift Wiesner als Ausdruck hungernder Seelen.
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