Alberto Savinio

Jules Verne

Cover: Jules Verne
Friedenauer Presse, Berlin 2005
ISBN 9783932109423
Kartoniert, 32 Seiten, 9,50 EUR

Klappentext

Aus dem Italienischen von Marianne Schneider. In den Büchern Andrea de Chiricos, der sich ab 1914 Alberto Savinio nannte, stoßen wir immer wieder auf den Schatten Jules Vernes. Savinio (1891-1952) war ein sehr vielseitiger Künstler. Er komponierte, malte, schrieb Romane, Dramen, Erzählungen und Essays, er arbeitete als Regisseur und Bühnenbildner. Der "größte Schriftsteller seiner Zeit" (Leonardo Sciascia), der, so Hans Magnus Enzensberger, zu den "eigensinnigsten Autoren des 20. Jahrhunderts" gehört, veröffentlichte 1942 unter dem Titel "Narrate, uomini, la vostra storia" eine Reihe von Porträtskizzen außergewöhnlicher Persönlichkeiten, die für sein Leben prägend waren. Eine dieser Geschichten, ein Meisterwerk erzählerischer Essayistik, ist dem "Bären" Jules Verne gewidmet. Savinios ironisch-groteske Hommage an Jules Verne liegt hier erstmals auf Deutsch vor.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 24.06.2005

Jules Verne für Freunde des Surrealismus. Und für "Erwachsene im 21. Jahrhundert". Denn vielleicht, schreibt Elmar Schenke, ist eben der surrealistische - der schräge, anekdotische, verzerrte, kalauernde - Blick des Alberto Savinio die einzige Möglichkeit, vom Bestsellerautor des 19. Jahrhunderts heute noch was zu haben. Deshalb gilt des Rezensenten Dank dem herausgebenden Verlag und speziell Richard Schroetter, die diese essayistische Perle, in der "alles zwei- und mehrschneidig" ist, aus dem Jahr 1942 in die Gegenwart gehoben haben. Denn sie zeige, "um wieviel mehr Verne und das neunzehnte Jahrhundert inspirieren können, wenn man ihnen groteske Abgründe zugesteht".

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 24.03.2005

Alberto Savinio, der 1952 verstorbene Bruder des Malers Giorgio de Chiricio, war ein "treuer Leser" Jules Vernes, stellt Lothar Müller fest. Der vorliegende Essay ist einem Buch des Autors mit verschiedenen biografischen Texten über Künstler, Schriftsteller und Musiker entnommen, das bereits 1942 erschien und jetzt erstmals auf Deutsch vorliegt, freut sich der Rezensent. Als "Atheist des Fortschrittglaubens" ist Savinios Blick auf Jules Verne durchaus "spöttisch", ohne allerdings in Zweifel zu ziehen, dass es sich bei dem Schriftsteller um einen "wahren Helden der epischen Welt" dreht, so Müller eingenommen. Er lobt ausdrücklich den "mustergültig kommentierten" Band, in dem er als "heiteres Gegenstück" zu einem anderen Essay Savinios über Guy de Maupassant erblickt.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 17.03.2005

"Wie kein Zweiter" beherrsche Alberto Savinio die Kunst, sich von einer kleinen Nebensächlichkeit zum großen Ganzen voranzutasten, konstatiert Gabriele Killert. Vergnügt beobachtet sie beim Lesen des Porträt-Essays über Jules Verne Savinios Fahigkeit des "assoziativ-weiträumigen und immer dichteren Einkreisens". Savinio beginnt mit einem alten Hemd Vernes, das dessen Neffe aufträgt, um dann nach und nach zu einem Mann zu kommen, der fast "im Vaudeville-Milieu versackt" wäre, dann aber doch noch ein Vermögen mit "pueriler Bildungslektüre in angenehmem Gewande" machte. Dieser "Käpten Nemo in Pantoffeln" wird von Savinio "mit feinstem Spott" geschildert, berichtet die Rezensentin mit der Begeisterung, die die "moussierend komisch und leicht snobbish" geschriebene Geschichte offenbar bei ihr hervorgerufen hat.
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