Nachrichten an meinen Sohn
Roman

Suhrkamp Verlag, Berlin 2025
ISBN
9783518432372
Gebunden, 239 Seiten, 25,00
EUR
Klappentext
Aus dem Spanischen von Susanne Lange. Nichts hat ihn darauf vorbereiten können, selber Vater zu sein. Die Geburt des Sohnes erschüttert so ziemlich alles, was er sich je zurechtgelegt hatte. Willkommen also, in einem wunderbaren, vor Hingabe und Ermüdungsverzweiflung flirrenden neuen Leben: Lektüre der immergleichen Kinderbücher, das Bogenschießen auf die Reispapierlampen im Wohnzimmer, die tastenden Versuche, gemeinsam zu krabbeln, einander überhaupt erst kennenzulernen, und was soll das eigentlich bedeuten, die Welt durch die Augen des Kindes zu sehen? Alejandro Zambra kartografiert das alles nach Kräften bzw. dem, was davon übrig ist: als tagebuchartige Mitschrift der eigenen Vaterschaft, in Briefen und Gedichten an den Sohn, im Spiel seiner - wohl auch per Schlafentzug bewusstseinserweiterten - Einbildungskraft, als humorvoll zärtliche teilnehmende Selbstbeobachtung.
BuchLink. In Kooperation mit den Verlagen (
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Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 11.11.2025
Rezensent Florian Borchmeyer ist letztendlich beruhigt, dass das Talent des chilenischen Autors diesen Vaterschafts-Roman noch retten kann. Zu Beginn ist Borchmeyer verwirrt, wenn nicht enttäuscht vom rührseligen, ironielosen Pathos, mit dem der doch eigentlich für gelungene Sittengemälde bekannte Autor sich dem Glück der Vaterschaft widmet. Der erhoffte Wandel setze erst ein, sobald der Ich-Erzähler Alejandro Zambra zur Bekämpfung einer aufkommenden Migräne zu Magic Mushrooms greife. Plötzlich wird die bisher den Tagen nach der Geburt seines Sohnes folgende Kapitelstruktur von eingestreuten Gedichten, Fragmenten und Fäkalhumor-Anekdoten aufgebrochen, "Autosabotage statt Autofiktion", jubelt der Kritiker. Der Ich-Erzähler wird dadurch zum Kind und die Geschichte mündet in die Erzählung der Beziehung zu seinem eigenen Vater. So kann sich der Kritiker am Ende doch noch über diesen ehrlich berührenden, erzählerisch vielfältigen Text freuen.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 30.05.2025
Autofiktionale literarische Auseinandersetzung mit der eigenen Elternrolle gibt es in der deutschsprachigen Literatur zur Zeit en masse, weiß Rezensent Nico Bleutge. Doch im Gegensatz zu vielen dieser schreibenden Eltern "klebt" Alejandro Zambas nicht an seinen eigenen Erfahrungen, sondern lässt Literatur, Wahrnehmung, Erinnerung und Fantasie einander gegenseitig befreien und befruchten. Literatur, erklärt Bleutge, ist für den chilenischen Autor nämlich immer auch eine Methode, um die Welt unvoreingenommen zu erleben, wie "ein Kind" eben, "wie zum ersten Mal". In "Nachrichten an meinen Sohn" begibt sich Zambra spielerisch in den Kontakt mit seinem Sohn, erfindet Wörter und Laute mit ihm, schreibt ihm Gedichte, baut Zitate ein, folgt zwischendurch aber auch immer wieder in essayistischen Exkursen den eigenen Gedanken. Je älter das Kind wird, je mehr Erfahrungen es selbst ansammelt, desto weiter entfernt sich der Vater von der Gegenwart, kommt ins erzählen, auch über die eigene Vergangenheit. Doch Held der Geschichten, die Susanne Lange auf hervorragende Weise mitsamt aller Sprachspielereien ins Deutsche übertragen hat, ist und bleibt der Sohn Silvestre, so der berührte Rezensent.
Rezensionsnotiz zu
Die Tageszeitung, 24.05.2025
Kritikerin Eva-Christina Meier liest im neuen Buch des chilenischen Autor Alejandro Zambra von dessen Rolle als Vater seines Sohnes Silvestre, den er gemeinsam mit seiner Frau Jazmina in Mexiko aufzieht. Meier kennt ihn als "scharfsinnigen Chronisten" der chilenischen Gesellschaft, auch hier verknüpft er die Betrachtungen seines neuen Alltags mit Überlegungen zum Akt des Schreibens, zu Lektüren oder zu öffentlichen Ereignissen, eine zweite Ebene nimmt die Geschichte um die Kindheitsfreunde Dario und Sebastián ein, deren Freundschaft durch ein Missverständnis jahrelang unterbrochen wird. Die Geschichte zeigt Meier zufolge, wie wichtig Zambra die präzise abwiegende Sprache ist, die jedoch nicht immer zufriedenstellend von Susanne Lange übersetzt werde. Auch die Kapitel, die der Autor über seinen eigenen Vater schreibt, zählen nicht zu ihren Highlights des Bandes, wie sie abschließend betont.
Rezensionsnotiz zu
Die Welt, 03.05.2025
Rezensent Richard Kämmerlings findet die Markierung von Alejando Zambras neuem Buch als Roman ein wenig irreführend, ist es doch eher ein "Großessay über Vaterschaft": Zambra ist spät Vater geworden, erfahren wir, ihm ist aufgefallen, dass das Thema sowohl unter Männern als auch in der Literatur zu wenig Beachtung erfährt. An die wenigen Vorbilder knüpft der Autor an, indem er etwa Julio Ramón Ribeyros Gedanken aufgreift, dass jeder Fortschritt im Leben des Kindes einen Rückschritt in dem des Vaters bedeutet. Für Kämmerlings gestalten sich die Reflexionen über das Glück und die Schwierigkeiten der Vaterschaft "ebenso weise wie witzig", Zambra reflektiert da nicht nur über sich als Vater, sondern auch über sich als Sohn, der versucht, über den gemeinsamen Lieblingsfußballverein eine Bindung zum emotional schwer erreichbaren Vater aufzubauen. Ein Buch nicht nur für Väter, sondern für alle Männer, befindet der Rezensent.