Was von meinem Vater bleibt
Roman

Aufbau Verlag, Berlin 2024
ISBN
9783351042165
Gebunden, 175 Seiten, 20,00
EUR
Klappentext
Was der Familie bleibt, sind nur zwei Postkarten und ein paar vergilbte Rechnungen. Fünfzig Jahre lang hat Didi, der Vater von José Henrique Bortoluci, als LKW-Fahrer in Brasilien gearbeitet und Hunderttausende von Kilometern zurückgelegt, immer auf der Straße, immer allein, weit weg von der Familie. In diesem Buch lässt Bortoluci seinen Vater erstmals von seinen Erlebnissen erzählen. Er schafft das Porträt eines einfachen Mannes, der den Bau der Transamazônica, die Abholzung des Regenwalds, den rasanten Ausbau des Landes und die Spuren des vermeintlichen Fortschritts erlebt hat. Die Strecke, die Didi mit dem LKW zurücklegt, ist dabei auch die Kluft, die sich zwischen seinem Leben und dem seines Sohnes, dem der soziale Aufstieg gelingt, auftut.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk, 13.08.2024
"Eine brasilianische Sozialgeschichte" erzählt dieses Buch, das José Henrique Bortoluci über seinen Vater geschrieben hat, konstatiert Kritikerin Katharina Teutsch: Sein Vater war fünfzig Jahre lang Fernfahrer, unter anderem auf der Transamazonas-Route, die als nationalistisch-kolonialistisch geprägtes Großprojekt dargestellt wird. Bortolucis Text erinnert Teutsch in seiner autofiktionalen Ausprägung an Tove Ditlevsen und Didier Eribon, an manchen Stellen sind ihr die Bezüge zu Susan Sontag und Bertolt Brecht aber zu explizit. Ansonsten aber ein "taktvolles Buch" für die Rezensentin, das von gegenseitigem Respekt getragen wird.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 13.07.2024
Rezensentin Elena Witzeck findet bemerkenswert, dass José Henrique Bortuluci mit seinem Roman einen so großen Erfolg in Brasilien landete. Denn besonders intuitiv oder leicht zugänglich sei die eigenwillige Mischung aus "Memoir mit Theorieansatz" des Soziologen nicht, aber dafür umso ertragreicher: Wie Bortoluci die sehr persönliche Lebensgeschichte seines Vaters, der sich als Lkw-Fahrer auf der Transamazônica im brasilianischen Urwald fast kaputtarbeitete, mit einem soziologischen Blick auf die Entwicklung Brasiliens verbindet, auf den Fortschrittswillen, der auch hinter dem Bau der Transamazônica und den damit einhergehenden katastrophalen Abholzungen und Eingriffen in den Regenwald stand, findet Witzeck gerade in der Kombination faszinierend. Auch, wie sich in dem Buch dieser Blick auf die Vergangenheit mit dem Eindruck des Ausgeliefertseins während der Präsidentschaft Bolsonaros verbindet, findet die Kritikerin spannend. Einzig die deutsche Übersetzung bemängelt sie, der es nicht gelinge, Sprachrhythmus und Dialekt des Vaters überzeugend aus dem Portugiesischen ins Deutsche zu übertragen. Ansonsten eine klare Leseempfehlung von Witzeck.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 10.07.2024
Mit diesem Buch ist José Henrique Bortoluci ein gesellschaftstheoretisch überzeugender und berührender biographischer Essay gelungen, urteilt Rezensentin Victoria Eglau. Darin gibt der brasilianische Soziologie die Lebensgeschichte seines Vaters, eines Fernfahrers, wieder. Er kombiniert dabei, so die Rezensentin, die in Interviews mit dem Vater gesammelten Erinnerungen mit einer kritischen Auseinandersetzung mit dem brasilianischen "Fortschrittsmodell", zu dem auch das schlecht bezahlte Leben hinterm Steuer von vielen Männern aus der Unterschicht gehört. Neben den Entbehrungen dieses Lebens klingen laut Eglau auch immer wieder die Lust am Abenteuer, Stolz auf die eigenen Leistungen und die Kameradschaft unter den Fahrern an. Auch weil Bortoluci seinen Protagonisten ernst nehme und einfühlsam von dessen Leben erzähle, kann die Rezensentin diesen Essay sehr empfehlen.