Aus dem Amerikanischen von Bernhard Robben. Jozef Pronek wird in Amerika vom Bosnienkrieg überrascht und an der Heimreise gehindert. Jetzt sucht er einen Platz in diesem neuen Land, das er nicht versteht. Er sucht Arbeit, Liebe und Schutz vor dem Schmerz, der sich in ihm ausdehnt. Der Krieg in seiner Heimat zieht eine Demarkationslinie durch sein Leben. Vorher - das ist Sarajewo, das ist die Kindheit in einer Stadt, in der das Leben keine Grenzen kennt, das sind die überschäumenden Gefühle beim Hören von Beatles-Songs, das ist die erste Liebesnacht. Nachher - das ist tief im Innern gefrorene Angst, das ist die Einsamkeit eines entwurzelten Menschen, der nicht mehr weiß, wo er hingehört.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 15.11.2003
"Das Ich als ein Anderer" benennt der Rezensent Alexander Breitenstein als "zentrales Thema" dieses "fantastischen Epilogs" auf das Leben des Ukrainers Jewgenjew Pick, der sich proteisch als Spion und Doppelagent durchs Leben und durch Asien schlägt und immer zeitgeschichtlich rechtzeitig die Seiten wechselt. Doch nicht nur das, Pick sei auch ein "begnadeter Erzähler", der den Leser in seinen "Bann" ziehe mit seinem "wahren" Geflunker. Pick allerdings sei nicht der einzige Erzähler: "Immer neue" Figuren nehmen Joseph Pronek (wie sich Pick auch nennt) "in den Blick" und lassen Proneks Identität "nachhaltig verschwimmen". Chronologie, so Breitenstein, ist dabei Lesersache. Was sich daraus für den Rezensenten ergibt, ist ein "privatmythologisch aufgeladenes" historisch-poetisches Bild, ein "leicht fantastischer Realismus". Besonders Proneks Jugendjahre im Sarajewo der Siebziger und Achtziger - Autor Alexsandar Hemon wurde dort geboren - haben den Rezensenten sichtlich beeindruckt. Niemand, so Breitenstein, hat die "schlecht gelüftete Wirklichkeit des Ostblocks" besser beschrieben, als Hemon in dieser "virtuosen" Geschichte, in der das "Wahre" im "Flüchtigen" liegt.
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