Von der Una
Roman

Voland und Quist Verlag, Dresden und Leipzig 2025
ISBN
9783863914295
Gebunden, 240 Seiten, 24,00
EUR
Klappentext
Aus dem Bosnischen von Elvira Veselinović. "Von der Una" ist der gelungene Versuch, ein persönliches Kriegstrauma schreibend zu verarbeiten und zu überwinden. Wir folgen der Hauptfigur des Romans durch drei Zeitabschnitte: Kindheit und Jugend in Jugoslawien vor dem Krieg, Fronterfahrung während des Bosnienkrieges und schließlich der Versuch, nach dem Konflikt ein normales Leben zu führen. Faruk Šehić rekonstruiert das Leben eines Mannes, der sowohl Kriegsveteran als auch Dichter ist. Der Historiker lehrt uns, was geschehen ist, der Dichter, was für gewaltige emotionale Spuren es hinterlassen hat und der Ästhet, wie man auch noch aus den schmerzhaftesten Erinnerungen den maximalen Genuss ziehen kann.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 24.05.2025
Auf "eine Zeitreise, wie sie die Literatur noch nicht kennt" wird Rezensent Paul Jandl in diesem Roman des bosnischen Autors Faruk Sehic geschickt: Sehic kommt im Jugoslawienkrieg als 21-Jähriger zum bosnischen Militär, sein Erzähler lässt sich von einem Hypnotiseur in seine Jugend zurückkatapultieren. Dichte, atmosphärische Naturschilderungen mit Flüssen voller Döbel und überschwemmten Wiesen nach sommerlichen Regenfällen wechseln sich rapide ab mit den Grauen des Krieges, so Jandl, den beeindruckt, wie Sehic die friedliche Erinnerung und die kriegerische Gegenwart gekonnt und bisweilen schockierend miteinander verwebt. Der Protagonist reist als fantasiebegabter Junge "mit Gedankengeschwindigkeit" durch die herrliche Kindheit, insbesondere zum Haus der Großmutter, bis dieses Idyll wieder von Bomben abgelöst wird, die "wie Blumensträuße" auf Bosnien regnen, erfahren wir. Auch der Hass, der für den jungen Mann überlebenswichtig wird, kommt zur Sprache, die Erinnerung an die Gegner, die gefoltert werden, lässt ihn nicht los, erzählt der Kritiker, dem es nach der Lektüre nicht viel anders geht.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk, 11.04.2025
Rezensentin Undine Fuchs ist tief beeindruckt von Faruk Sehics Roman über eine versunkene Welt. Durch Hypnose und in "leuchtender Sprache" erstehe im Text die bosnische Heimat und Kindheitswelt des Erählers wieder auf. Erzählen als heilendes Mittel mit Krieg und Verlust umzugehen, so versteht Fuchs diesen Text, denn auch der Autor selbst zog in den Bosnienkrieg und sah die Kultur seiner Heimat bedroht. Der Fluss Una bekommt im Text eine ebenso heilsame Wirkung, erklärt sie. Gegen die Gewalt als Teil der menschlichen Zeit setze der Autor die zyklischen Abläufe des Stroms.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 26.03.2025
So hat Rezensentin Sieglinde Geisel noch nie über Kriegstraumata gelesen, wie im Buch von Faruk Sehić. Der Autor schreibt aus eigener Erfahrung: mit einunzwanzig Jahren wird er in Bosnien Soldat, erklimmt die Karriereleiter und zieht in den Krieg gegen Serbien. Doch Sehić' Prosa autobiografisch zu nennen wird ihr nicht ganz gerecht, meint Geisel, seine "ab- und ausschweifende" Prosa gehe über das persönliche Erleben hinaus und kulminiere in außergewöhnlichen Formulierungen, die "kein anderer" schreiben könne. Sehić beginnt bei seiner Kindheit, deren Verbundenheit mit der Natur er als eine Art paradiesischen Zustand beschreibe, der im krassen Gegensatz zum späteren Geschehen stehe. Wirklich chronologisch sind die Erinnerungen aber nicht, vielmehr springt der Autor häufig zwischen Orten, Zeiten und Schauplätzen so Geisel. Der Krieg wird hier stilistisch unterschiedlich verhandelt, einmal in seiner ganzen physischen Gewalt und Bedrohlichkeit, auf der anderen Seite aber auch nüchtern stilisiert durch Natur-Metaphern: "es regnete Mörsergranaten wie Blumensträuße". Auch vor seiner eigenen Brutalität macht der Ich-Erzähler nicht halt, wenn er beschreibt, wie das Töten im Krieg zur Leichtigkeit wird, gleichzeitig gibt es gedankliche Abgründe, um die er einen "weiten Bogen" macht, wie zum Beispiel den sogenannten "Folter-Hangar". Die Rezensentin scheint von diesem Buch jedenfalls nachhaltig beeindruckt zu sein.