Alexander Bogner

Grenzpolitik der Experten

Vom Umgang mit Ungewissheit und Nichtwissen in pränataler Diagnostik und Beratung
Cover: Grenzpolitik der Experten
Velbrück Verlag, Weilerswist 2005
ISBN 9783938808054
Broschiert, 242 Seiten, 28,00 EUR

Klappentext

Kategoriale Grenzkonstruktionen wie gesund/krank oder Leben/Tod dienen der Orientierung und Entscheidungsentlastung in der Medizin. Nun ergeben sich nicht zuletzt im Zuge des biowissenschaftlichen Fortschritts Überforderungen dieser institutionalisierten Entscheidungskonventionen und damit neuartige Entscheidungs- und Gestaltungszwänge. Im Anschluss an die Theorie reflexiver Modernisierung lässt sich die Reformulierung dieser Unterscheidungen durch die Experten als notwendige Reaktion auf neue Uneindeutigkeiten verstehen. Grenzpolitik der Experten ist daher nicht einfach gleichbedeutend mit strategischer Rhetorik zur Durchsetzung wissenschaftlicher Autonomieansprüche; sie ist vielmehr Ausdruck einer Suche nach Neuorientierungen jenseits überkommener Leitdifferenzen und Unterscheidungen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 01.02.2006

Hart ins Gericht geht Rezensent Michael Pawlik mit dem Konzept und der Fragestellung des Soziologen Alexander Bogner. Seine Interviews mit Medizinern zur moralischen Bewertung der Pränataldiagnostik ergäben nicht mehr als man ohnehin erwarten könne, nämlich die Argumente der öffentlichen Diskussion in den Medien. Wenn die Mediziner, so der Rezensent, Abtreibung als "Angelegenheit allein" von Eltern ansehen würden, sei dies verständlich, wenn sich aber auch der Autor der "Selbstinterpretation seiner Gesprächspartner" anschließe, mahnt der Rezensent dies als "erstaunlich unkritisch" an. Denn die "Autonomierhetorik" von einer "neuen Symmetriebeziehung zwischen Arzt und Patient" verlange nach einer soziologisch kritischen Analyse der realen materiellen, gesellschaftlichen und institutionellen Zwänge, unter denen die vermeintlich autonomen Entscheidungen von Müttern getroffen werden müssten. Als Beispiele verweist der Rezensent auf die materiellen Sorgen der "unparteiischen" Ärzte und auf die "tatsächliche Akzeptanz behinderten Lebens". Auch wenn der Autor für einen "Ausbau zivilgesellschaftlicher Foren" eintrete, möchte der Rezensent gerne genauer wissen, was darunter und auch unter einer "Normalisierung von Humangenetik und Pränataldiagnostik" zu verstehen sei.

Beliebte Bücher

Heike Geißler. Michaela Kohlhaas - Roman . Suhrkamp Verlag, Berlin, 2026.Heike Geißler: Michaela Kohlhaas
"Das Rechtgefühl machte ihn zum Räuber und Mörder." So erzählt es Heinrich von Kleist in seiner gleichnamigen Novelle über den Pferdehändler Michael Kohlhaas, der nach erlittenem…
Robert Seethaler. Die Straße - Roman . Claassen Verlag, Berlin, 2026.Robert Seethaler: Die Straße
Die Straße ist nicht im Zentrum der Stadt und nicht an ihrem Rand. Versteckt liegt sie irgendwo dazwischen. Kein Besucher würde sich dorthin verirren, und doch passiert in…
Petra Morsbach. Orion - Roman . Penguin Verlag, München, 2026.Petra Morsbach: Orion
Nora lernt bei einem Studentenjob ihren späteren Mann kennen, einen Archivar. Sie wird Lehrerin für Deutsch und Geschichte in einem oberbayerischen Gymnasium, zieht einen…
Florian Illies. Träume aus Feuer - Der Alchemist von der Pfaueninsel. Bastei Lübbe Verlag, 2026.Florian Illies: Träume aus Feuer
Tauchen wir ein in die großen Träume eines großen Mannes: Johannes Kunckel ist ein Magier und Alchemist, der daran glaubt, Gold zaubern zu können. Der brandenburgische Kurfürst…