Immer häufiger ist die Schwangerschaft von Sorgen überschattet. Alles dreht sich um die Gesundheit des heranwachsenden Kindes. Befürchtete Gefahren und Risiken bedrängen die elterliche Vorfreude. Im Falle einer diagnostizierten Behinderung wird das Kind oft als Belastung oder sogar als Bedrohung für die Eltern und für die Gesellschaft empfunden. Die ethische Grundannahme, daß jeder Mensch einzigartig ist und sein Leben unverfügbar sein muß, gerät immer mehr in die Defensive. Manchen gilt sie gar als antiquiert. Der hohe seelische Preis einer Entscheidung gegen ein behindertes Kind oder überhaupt gegen das ungeborene Leben sowie die gesellschaftlichen Folgen dieser Abwehrhaltung zeigen sich oft erst sehr viel später. Giovanni Maio plädiert deshalb dafür, in jedem Leben die ihm eigene Kostbarkeit zu erkennen. Es geht ihm darum, der technisch-diagnostischen Machbarkeit nicht blind zu folgen, sondern in Demut und Behutsamkeit den Gabecharakter allen Lebens wiederzuentdecken.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 29.11.2013
Melanie Mühl ist entsetzt über die Ausführungen des Freiburger Medizinethikers Giovanni Maio. Eigentlich richtige Beobachtungen über unsere Wettbewerbsgesellschaft und das Perfektionierungsklima würzt der Autor in seinem Buch mit für Mühl hanebüchenen Kommentaren. Maios Grundeinstellung für das ungeborene Kind und im Zweifelsfall gegen die Eltern empfindet sie als Zumutung. Dass etwa die Reproduktionsmedizin ein Selbstverwirklichungs-Spielplatz sei, wie der Autor es laut Mühl darstellt, kann die Rezensentin nicht erkennen. Sie empfiehlt dem Autor mehr Einfühlungsvermögen in das Leid ungewollt kinderloser Eltern.
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