Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 26.07.2000
Hanno Zickgraf hat einen recht schlecht gelaunten, überdies spezialistischen und nicht immer nachvollziehbaren Artikel zu Demirovic` 938 Seiten über die Frankfurter Schule verfasst. Zwar begrüßt er es, dass Demirovic stärker auf die Personen und nicht so sehr auf die Schule eingeht, aber die externe Perspektive, die sich aus dem Verzicht auf "Schulgeschichtsschreibung" ergibt, hat Demirovic nach Zickgraf letztlich nicht als Chance genutzt. Zum Beispiel vermisst Zickgraf einen Ausblick auf die Rolle, die ein nonkonformistischer Intellektueller im Gefolge der Frankfurter Schule unter den Bedingungen des "Postfordismus" spielen könnte. Weiter kritisiert Zickgraf, dass Demirovic die Frühgeschichte der Schule ausblende, dass er zwar die Wichtigkeit des Marxismus bei Adorno und Horkheimer zu Recht herausstreiche, aber nicht auf die theologischen Implikationen verweise, und schließlich, dass er in seiner Sprache "trocken-akademisch" bleibe und hässliche Anglizismen benutze.
"Ein neues Standardwerk über die späte Kritische Theorie" - Alexander Bogner spart nicht mit Lob für Alex Demirovic, der die Theorie- wie Institutionsgeschichte der Frankfurter Schule im Nachkriegs-Deutschland rekonstruiert, miteinander verflochten und analysiert hat. Anders als bisherige Historiographen des berühmten Instituts gehe Demirovic davon aus, schreibt Bogner, dass Horkheimer und Adornos Bemühungen um eine vernunftskritische Wissenschaft keineswegs "zum Zierrat der restaurativen Gesellschaft verkommen waren". Der Autor habe sich durch die Protokolle der Gesellschaft für Soziologie und durch die Seminarprotokolle der Frankfurter gekämpft, nebenbei ein brauchbares Handbuch der Kritischen Theorie erstellt und vor allem erfolgreich dargelegt, wie sich ihre Protagonisten nicht nur wissenstheoretisch, sondern ganz praktisch um die Etablierung des "Typus des nonkonformistischen Intellektuellen" bemüht hätten.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12.10.1999
In einer ganzseitigen Doppelrezension bespricht Lorenz Jäger das Buch
zusammen mit Alex Demirovic "Der
nonkonformistische Intellektuelle" (Suhrkamp), das ebenfalls vom
Frankfurter Institut für Sozialforschung handelt. Jäger nutzt seine
Rezension zu einer ausgreifenden Reflexion über die Bedeutung der
"Frankfurter Schule", zu der ihn vor allem
1) "Die intellektuelle Gründung der Bundesrepublik" von Clemens Albrecht
und seinen Mitarbeitern anregt. In den Essays der Autoren werde die
"prägende Kraft der Theorie" Horkheimers und Adornos für die
westdeutsche Nachkriegsgesellschaft deutlich. Vor allem ihre
Auseinandersetzung mit der Nazi-Zeit sei für viele Akademiker,
Journalisten und Intellektuelle bestimmend gewesen. Die Frankfurter
Schule sei es gewesen, die diese Beschäftigung mit der Vergangenheit als
eine "gesellschaftliche Daueraufgabe" an die Deutschen gestellt hätte.
Andererseits ermöglichte sie durch den Filter dieser Reflexion auch
wieder, dass man sich mit der deutschen Tradition von Beethoven bis
Hölderlin befassen könne, "ohne sie zu hassen". Albrecht und seine
Mitarbeiter zeigten, wie sich Horkheimer und Adorno auch mit den Mitteln
der Universitätspolitik und mit Hilfe publizistischer Vermittler ihre
Stellung erkämpften - ganz wichtig sei dabei der Suhrkamp-Verlag und
seine "edition suhrkamp" gewesen. Die Distanz von der Schule hat es
Albrecht und seinen Mitarbeitern überhaupt erst möglich gemacht,
"sinnvoll über die Kritische Theorie nachzudenken", meint der Kritiker.
2) "Der nonkonformistische Intellektuelle" von Demirovic kommt bei Jäger
schlechter weg. Er lobt zwar die schiere Fülle der Dokumentation,
findet aber Demirovics Begriff des "nonkonformistischen Intellektuellen"
flach und allzu pädagogisch. Hier erweise sich, dass Demirovic als
Mitarbeiter des Frankfurter Instituts für Sozialforschung aus einer
Innenperspektive schreibe und den Gegenstand seiner Forschung zugleich
zu seiner "normativen Leitfigur" mache.
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