Die Gründe für seine plötzliche Sprachlosigkeit sind Kalb halb bewusst, halb schleierhaft. Klar ist ihm, dass er gern oft geschwiegen hätte, nicht klar ist ihm, wieso sich dieser unterbewusste Wunsch derart auf seine Motorik auswirkt.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 25.03.2003
Eine Mediensatire müsste ihn eigentlich zum Gähnen bringen, hatte Peter Richter vermutet, doch Alexander Gorkows Roman "Kalbs Schweigen" hat ihn wider alle Erwartung erheitert und unterhalten. Dabei hat die Branche gar keinen weiteren Enthüllungsroman nötig, findet Richter, weil sie eh "selbsterklärend und praktischerweise auch noch selbstempörend" veranlagt sei. Der Held mit Namen Kalb aus Gorkows Roman leidet auch an der üblichen "Plapperroutine", wie Richter es nennt, bis es eines Tages bei ihm zum Totalausfall kommt. Nachdem Kalb die Sprache wiedergefunden hat, berichtet Richter, kann er nur noch Hasstiraden produzieren - die der Rezensent um so vergnüglicher findet, je mehr sich der Protagonist in Rage redet. Ein Beweis, schreibt Richter, "dass Misanthropie großen Spaß machen kann". Für Richter ist Gorkows Roman ein - im Prinzip kulturkonservativer - Gegenentwurf zu den elegischen Ergüssen, wie er es nennt, der neuen deutschen Erfolgsliteratur, wo "wenig passiert und viel geredet" wird. Bei Gorkow, schwärmt Richter, ist das gar nicht so viel anders - aber viel amüsanter.
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