Marianne Leemann

Totengräber der Demokratie

Kommunisten, Faschisten und Nationalsozialisten in der Deutschschweizer Presse von 1918-1923
Cover: Totengräber der Demokratie
Chronos Verlag, Zürich 2003
ISBN 9783034005715
Gebunden, 632 Seiten, 49,80 EUR

Klappentext

Über die ersten Jahre des Zeitalters der Ideologien liegt nun ein nicht ganz übliches Geschichtsbuch vor. Die Ereignisse werden in der Form einer Forumszeitung mit Artikelauszügen aus den drei oben genannten Tageszeitungen wiedergegeben. Kurze Kommentare verbinden die meist längeren Zitate. So kommt der Charakter der damaligen Pressesprache gut zur Geltung. Die Lektüre der Artikel ermöglicht es, in die Zeit der wilden Nachkriegsjahre einzutauchen. Zahlreiche Zeitzeugen informieren über Stimmungen und Ängste, die damals herrschten. Es handelt sich demnach nicht um eine trockene Aufzeichnung von Fakten, durchsetzt mit Theorien und komplizierten Fachausdrücken, sondern um eine lebendige Geschichtsschreibung in einer einfachen, für jedermann verständlichen Sprache. Anekdoten, Ironie, Humor, Spott, Alltägliches und uns heute nebensächlich Erscheinendes finden darin ebenso Platz wie ernsthafte Berichte über dramatische Weltereignisse.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10.10.2003

In ihrer Arbeit "Totengräber der Demokratie" untersucht Marianne Leemann, wie die Schweizer Presse zwischen 1918 und 1923 die in verschiedenen europäischen Ländern agierenden links- oder rechtsextremen Gruppierungen und ihre Leitfiguren wahrnahm, berichtet Rezensent Paul Stauffer. Wie er ausführt, konnte in der turbulenten Periode europäischer Geschichte, die Leemanns Arbeit umfasst, auch in der neutralen Schweiz von politischer Harmonie nicht die Rede sein: die Positionen der verschiedenen politischen Lager - Liberale, Christdemokraten, Sozialisten - spiegelten sich in den jeweiligen parteinahen Presseorganen. In einem Vergleich der liberalen "Neuen Zürcher Zeitung" (NZZ), des katholisch-konservativen "Vaterland" und des sozialdemokratischen "Volksrecht" belege Leemann "eindrücklich", dass auch die Optik der Auslandsberichterstattung stark vom parteipolitischen Standort der jeweiligen Zeitung bestimmt war, was Stauffer detailliert referiert. Etwas bedauerlich findet er, dass die Autorin darauf verzichtet hat, gewisse Schlüsseltexte ihres Werkes ungekürzt und in Faksimile-Reproduktion vorzulegen.

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