Der Zorn eines Mannes hat eine ungeahnte Debatte losgetreten: Marcel Reich-Ranicki weigerte sich effektvoll, die ihm angetragene Ehrenauszeichnung des "Deutschen Fernsehpreises« entgegen zu nehmen, und traf damit einen zentralen Nerv im Seelenhaushalt der Deutschen: Die Fernsehkultur auf dem Sturzflug in die unendlichen Niederungen der Unterhaltung. Bissig-amüsant und spitzzüngig, aber ohne plumpe Polemik nähert sich der Kulturjournalist Alexander Kissler dem Stein des Anstoßes und hält dem Fernsehen des 21. Jahrhunderts den Spiegel vor. Seine Reise in die Untiefen deutscher Fernsehkultur macht uns schaudern und lachen zugleich. Der Autor ruft auf zum Nachdenken, ehe man einschaltet, zum Umschalten oder Ausschalten, bevor man abstumpft und schließlich vollends verblödet. Ohne Dünkel und Besserwissertum rät er zu verantwortungsvollem Fernsehkonsum statt gewohnheitsmäßigem, routiniertem Glotzen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 03.09.2009
Höchstens passabel findet Rezensent Jörg Thomann diese Polemik wider das Fernsehen von Alexander Kissler. Neu oder originell scheint ihm an dem Buch kaum etwas, was nicht weiter verwundert, sieht er das Fernsehen als Verdummungsinstrument doch seit Jahrzehnten in der Kritik. In seinen Augen bietet der Autor im Wesentlichen kaum differenziertes, pauschales TV-Bashing, das bessere Programme wie Arte oder 3sat konsequent ausblendet und sich vor allem auf das Privat-Fernsehen konzentriert. Dabei bescheinigt er Kissler einige durchaus gute und subtile Beobachtungen, moniert aber andererseits wieder, dass Kissler derart ausgedehnte Nacherzählungen von unsäglichen Sendungen liefere. Zudem stört ihn ein wenig die überlegene Warte, aus der heraus Kissler geschrieben habe. "Herablassend zitiert er Grammatikfehler, gibt Sätze im Dialekt wieder und führt die Elenden an ihren Nasenringen durch die Manege", so Thomann, "kaum anders, als es das von ihm gescholtene Medium tut."
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