Ist der aktuelle Shutdown unserer Gesellschaft auch ein Shutdown unserer Grundrechte? Ferdinand von Schirach und Alexander Kluge gehen der Frage nach, was die Corona-Pandemie für unsere Gesellschaftsordnung und unsere bürgerliche Freiheit bedeutet. "Niemand hätte sich vor zwei Monaten vorstellen können, dass wir diesen Ausnahmezustand erleben. Es wird heute von manchen behauptet, das sei die Zeit der Exekutive. Aber das ist falsch. Wir leben in Demokratien, wir haben eine Gewaltenteilung. Noch immer muss das Parlament entscheiden, und daran darf sich auch nichts ändern. Noch scheint unsere Demokratie nicht gefährdet. Aber die Dinge können kippen. Autoritäre Strukturen können sich verfestigen, die Menschen gewöhnen sich daran. Erosionen sind langsame Abtragungen, keine plötzlichen Ereignisse."
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 09.06.2020
Mit Unbehagen hat Jens Bisky dieses Geplauder über Gott und Welt zwischen Ferdinand von Schirach und Alexander Kluge gelesen, die seit einiger Zeit auf den Bestseller-Listen steht. Dass Schirach am Anfang des Buches das Sicherheitsbedürfnis der Menschen beklagt, die anstandslos einem Notstand zustimmten, kann Bisky ja noch hinnehmen. Aber dass er dann am Ende seine Fantasien vom großen Durchgreifen auslebt, weil die Politik doch gezeigt habe, dass sie alles könne, geht dem Kritiker absolut gegen den Strich.
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