Donatella, Di Cesare

Von der politischen Berufung der Philosophie

Cover: Von der politischen Berufung der Philosophie
Matthes und Seitz Berlin, Berlin 2020
ISBN 9783957578716
Gebunden, 175 Seiten, 22,00 EUR

Klappentext

Aus dem Italienischen von Daniel Creutz. Während in der vollends globalisierten, kapitalisierten und integrierten Welt ohne Außen Krise auf Krise folgt und menschenfeindliche Positionen immer mehr Raum gewinnen, verhält die Philosophie sich eigentümlich konformistisch: In Ethikkommissionen stellt sie hier und da eine zaghafte Empfehlung moralischer Angemessenheit aus und bescheidet sich ansonsten damit, das Bestehende intellektuell mitzuverwalten. In ihrer Abhandlung ruft Donatella Di Cesare die Philosophie dazu auf, sich wieder ins politische Handgemenge zu begeben und in die Stadt, die globale Polis, zurückzukehren, aus der sie nach dem Tod des Sokrates vertrieben worden war. Getragen von radikalem Existenzialismus und einem neuen Anarchismus zeigt sie, dass in die abendländische Philosophie seit ihrem antiken Anfang eine politische Berufung eingeschrieben war, deren Verdrängung sie um ihr Wertvollstes, um ihre aufklärerische Potenz, bringt. Doch Kritik und Dissens allein reichen nicht mehr aus. Der Niederlage des Exils, der inneren Emigration eingedenk kehren die Philosophen jetzt zurück, um ein Bündnis mit den Unterdrückten zu schmieden. Ein fulminantes Plädoyer für die politische Relevanz der Philosophie, ihre radikale Zeitgenossenschaft und ihre atopische Widerstandskraft.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 05.08.2020

Rezensent Dieter Thomä empfiehlt das Buch der Philosophin Donatella Di Cesare all jenen angepassten Philosophen, die sich, wie die Autorin es fasst, zu Unterhändlern des Kapitalismus und der Demokratie machen. Di Cesares laut Thomä energisches und überzeugendes Plädoyer für Befehlsverweigerung als nobles Gut ihrer Profession, das die Autorin mit bewusst "randständigen" Figuren der Philosophiegeschichte, wie Platon, Arendt, Benjamin und Heidegger, bevölkert, scheint Thomä elegant in seiner Erkundung des Fremdseins als einer theoretischen Kunst.
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