Zum Anlass seines 90. Geburtstags erscheinend, ist dies vielleicht das persönlichste Buch von Alexander Kluge. Das Buch der Kommentare folgt dem spielerischen Geschwisterkind Zirkus. Kommentar auf dem Fuße, bietet diesem zugleich aber die Stirn, führt den Leser mit bitterem Ernst hinein in den "unruhigen Garten der Seele".Ausgangspunkt der Erzählung ist der düstere Advent 2020. Wir erleben eine Karambolage zweier Lebenswelten: Ein Virus drängt sich in unser Leben ein und stellt an unsere Gewohnheiten und unsere Intelligenz hartnäckige Fragen - vertraute Fragen und doch in ganz neuer Beleuchtung: Wie verlässlich sind die obersten Führungsetagen unserer Welt? Wie zerbrechlich ist der Mensch? Was ist ein "Selbst", ein "Ego" und ein "Ich"? Wie erzählt man von der Nähe? Und welche Rolle spielt dabei die Orientierung: DER KOMMENTAR?"
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 14.02.2022
Rezensent Paul Jandl schmökert in Alexander Kluge Jubiläumsbuch zum neunzigsten Geburtstag des Autors. In den Fragmenten der Texte erkennt er ein "biografisches Puzzle". Teile behandeln den Schreibtisch des Autors, Freud, Habermas, Corona, den Tod und immer wieder Utopien, erklärt Jandl. Kluges Gelenkigkeit im Denken und sein riesiges Reservoir des Wissens sind für Jandl ein Schatz. Kluges Vorgehensweise der Versenkung ins Faktische und der subjektiven Erkenntnis scheint dem Rezensenten immer wieder für Überraschungen gut. Langweilig wird es nie, versichert er.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 14.02.2022
Rezensent Lothar Müller wagt sich auf das Hochseil, auf dem Alexander Kluge seit neunzig Jahren herumspaziert. Das Seil ist nach wie vor gut gespannt, versichert Müller, die Ausbeute der Lektüre reichhaltig. Kluge schreibt keine Autobiografie, sondern einen Kommentar zum eigenen Leben und zur Gegenwart, erklärt er. Ob eine Virologin dem Autor vom Patchwork der Viren berichtet oder Kluge die Erstürmung des Capitols rekapituliert. QR-Codes, die den Leser wie "Adventstürchen" zu Filmen und Spots führen, ergänzen den Band, freut sich Müller.
Rezensentin Julia Schröder fragt sich angesichts von Alexander Kluges neuen Veröffentlichungen, worin sich die Kommentar-Bände von Kluges "Chronik der Gefühle" unterscheiden. Indem der Autor hier unter anderem Habermas' letztes Werk einer kommentierenden Lektüre unterzieht oder die Kunst Gerhard Richters oder Sigmar Polkes, laut Schröder auch mit Reproduktionen der Werke, ins Spiel bringt, so erklärt die Rezensentin, steigert er sein in der "Chronik" bewährtes Verfahren noch. Die "erhöhte Reaktionsenergie" im neuen Band fordert laut Schröder vom Leser auch erhöhte Aufmerksamkeit und die Fähigkeit, sich Zusammenhänge zur Not selbst zu erschließen. Der Autor führt und unterstützt den Leser dabei mit Notizen, Gesprächsprotokollen, essayistischen Skizzen und Erinnerungsbildern, schreibt sie.
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