Was gestern Science Fiction war, ist heute Lebenswirklichkeit. Menschen, die sich nie in Fleisch und Blut treffen, leben miteinander im "Second Life" einer virtuellen Welt. Verbunden über zahlreiche Internetdienste schöpfen sie neue Formen von Gemeinschaft und Gesellschaft. Alte Menschen in Japan verlassen sich im Alltag auf ihren Androiden, Roboter im Nahen Osten durchsuchen Verdächtige nach Sprengstoff, andere patroullieren im Irak und geben sich selbst Feuerbefehl. Komplexe Technologien haben die Beziehungen zwischen den Menschen radikal verändert. Sie haben Lebenswelten entstehen lassen, die uns fremd vorkommen, auch wenn wir selbst zu ihren Protagonisten gehören. Alexander Knorrs "Cyberanthropologie" nimmt diese Phänomene in den Blick und beschreibt ihre Auswirkungen auf den Menschen und die neuen online-Gesellschaften
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 16.11.2011
Nein, mit der herkömmlichen Völkerkunde im Wald hat das nichts zu tun, oder? Am Ende der Lektüre von Alexander Knorrs Entstehungsgeschichte der neuen Teildisziplin der Cyber-Anthropologie ist sich Karl-Heinz Kohl da nicht mehr so sicher. Dass die Inuit heute satellitengestützt jagen, Indianer das Internet zur Selbstdarstellung nutzen, Maoris Cyberkriege führen und der Mensch ganz allgemein im Worldwideweb lebt und arbeitet, ist das eine, wie Kohl erkennt. Auf der anderen Seite aber, das zeigt ihm der Autor mit Liebe zum Detail und übrigens auch zu seiner eigenen Cyber-Lebensweise und -Sprache durchaus unfreiwillig, scheint der Abstand gar nicht so groß. Wie gehabt, stellt Kohl fest, handelt es sich bei den Untersuchungsfeldern um geschlossene Gemeinschaften (siehe Game-Communities), die einem bestimmten Lebensstil folgen. Dass deren Mitglieder nun durch das Interface miteinander verbunden sind, statt "persönlich", ist für Kohl nur ein gradueller Unterschied.
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