Sisyphos im Maschinenraum
Eine Geschichte der Fehlbarkeit von Mensch und Technologie

C.H. Beck Verlag, München 2025
ISBN
9783406823305
Gebunden, 297 Seiten, 32,00
EUR
Klappentext
Mensch und Maschine - eine neue Geschichte. Das menschliche Verhältnis zur Technik ist von einer bedenklichen Schieflage geprägt: Menschen erscheinen als Mängelwesen, die unnötige Fehler machen und Dummheiten begehen, während ihre Maschinen und Technologien als Überwinder ihrer Schwächen gefeiert werden. Martina Heßler erzählt die beeindruckende Geschichte dieses wirkmächtigen Gedankens, in dem sich die menschliche Fehlbarkeit hartnäckig mit technologischer Perfektion verbindet.Von Automaten in frühen Fabriken über Sicherheitsgurte, Lügendetektoren und nette Roboter bis zu Computern als Präsidentschaftskandidaten und zur Cyborg-Reparatur: Die Geschichte der technologischen Überwindung menschlicher Fehler ist eine Geschichte des Technikchauvinismus, in der wir Menschen mehr und mehr einem modernen Sisyphos ähneln - im selbst gebauten Maschinenraum unentwegt mit der Beseitigung von Fehlern und Defekten beschäftigt. Derzeit verspricht künstliche Intelligenz, die Welt zu einem besseren Ort zu machen und menschliche Grenzen zu sprengen. Wie Martina Heßler darlegt, wird aber bereits seit dem frühen 19. Jahrhundert versucht, fehlerhafte Menschen mit überlegenen Maschinen einzuhegen, zu ersetzen und zu übertreffen. Das Bild einer perfekten Maschine, die alle denkbaren Probleme lösen kann, hat seither den gesellschaftlichen Fortschritt maßgeblich geprägt. Es wird Zeit, diese unzeitgemäße Illusion zu verabschieden. "Menschen sind für die Fabrikarbeit unzureichend konstruiert."
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Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 15.03.2025
Rezensentin Hannah Schmidt-Ott wird von Martina Heßlers Technikgeschichte nicht großartig überrascht, scheint Ansatz und Ausrichtung des Buchs aber doch solide zu finden. Es gehe der Professorin für Technikgeschichte in Darmstadt um die historische Entwicklung des Verhältnisses zwischen Mensch und Maschine unter dem Gesichtspunkt ihrer jeweiligen Fehlbarkeit, oder genauer, um den Diskurs darüber, resümiert Schmidt-Ott. Dabei decke Heßler zunächst einen "Technikchauvinismus" auf, der von der Fehlbarkeit des Menschen und der vergleichsweise viel perfekteren Technik überzeugt sei, was aber letztlich nur in eine Produktion immer neuer (auch technischer) Fehlbarkeiten führe, liest die Kritikerin. Große Neuigkeiten sind das für Schmidt-Ott, gerade mit Blick auf die USA zurzeit, nicht; aber wie die Autorin gewisse Verbindungen zu mythologischen Figuren wie Sisyphos zieht, dessen endlose Arbeit sie auf die menschliche Technikentwicklung überträgt, dabei Positionen des Technikkritikers Günther Anders einflicht und ihre Ausführungen gegen einen "naiven Technikglauben" ausrichtet, findet die Kritikerin interessant und "durchaus elegant". Für sie am Ende doch eine "lesenswerte Geistesgeschichte".
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 14.03.2025
Seinen Stein wird Sisyphos nicht so bald davon rollen lassen, fasst Rezensent Thomas Groß seine Schlusserkenntnis aus Martina Heßlers "Sisyphos im Maschinenraum" zusammen. Damit bleibt er im Bild, das die Technikhistorikerin Martina Heßler in ihrem aufschlussreichen, klugen und zudem durchaus unterhaltsamen Buch bemüht: Das Verhältnis der Menschen zu ihren Technologien beschreibt sie hier in Analogie zum Verhältnis des Sisyphos zu seinem Stein - ein Stein, den aufzunehmen, er selbst gewählt hat und der seitdem ständig größer wird. Denn, wie die Autorin stichhaltig erklärt und mit Beispielen veranschaulicht: Maschinen sind keineswegs unfehlbar. Tatsächlich scheint jede technische Problemlösung neue Fehler und neue Probleme zu produzieren, lernt Groß - ja sogar, im Fall von KI, zu reproduzieren! Wo das alles hinführt, nimmt sich die Wissenschaftlerin nicht heraus vorherzusagen, einige Hinweise allerdings gibt es schon. Und eins scheint festzustehen: Seinen Stein wird Sisyphos nicht so bald...