Alfred Döblin

Berge Meere und Giganten

Cover: Berge Meere und Giganten
dtv, München 2006
ISBN 9783423135160
Kartoniert, 792 Seiten, 16,50 EUR

Klappentext

In seinem visionären Zukunftsroman, "Berge, Meere und Giganten", der erstmals 1924 in Berlin erschienen ist, entwirft Döblin eine negative Utopie. In Form einer künftigen Universalgeschichte, die in neun Bücher unterteilt ist, stellt er die technisierte, industrialisierte Gesellschaft, geprägt von Verstädterung, Vermassung, Naturentfremdung und Dehumanisierung, und deren Entwicklungen bis ins 27. Jahrhundert dar: Der Aufstand gegen die Maschinen der Metropolen beginnt Ende des 24. Jahrhunderts. Im 26. Jahrhundert kommt es zum Uralischen Krieg, in dem der Westen unterliegt. Die westlichen Völker müssen deshalb in neue Bereiche vorstoßen. Grönland soll enteist werden, und um die nötige Energie zu gewinnen, werden die Vulkane Islands gesprengt. Das Unternehmen gelingt, aber es beleben sich zugleich die Keime vorzeitlicher Ungeheuer und Pflanzen: die Saurierwelt breitet sich aus. Als Gegenwaffe werden menschliche Giganten gezüchtet.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 06.12.2006

Neben dieser "Riesenmedusa" von Roman 1924 und seinen Visionen wirken "1001 Zukunftsprognosen und Gegenwartsromane von heute" auf Rezensent Ulrich Holbein ziemlich hausbacken. Selbst Jules Vernes Monsterwelten oder Moby Dick "verzwergen" aus seiner Sicht davor "zum Streichelzoo". Holbein kann gar nicht genug Metaphern und Großvokabeln in seine Hymne hieven, um seine Begeisterung für "BM&G", wie er Alfred Döblins "psychodelisches" wie megalomanes Frühwerk respektvoll-ironisch abkürzt, zum Ausdruck zu bringen. Mehr als 700 Jahre Zukunft würde Döblin darin verhandeln. Vieles von dem, was er 1924 voraussah, sei inzwischen geschehen. Manchmal auch in der Literatur. Tsunamis, Völkermorde, Dikaturen, Menschenzüchtung, "One-World-Gewimmel", Megastädte und abtauende Pole. Ulysses? Gegen "BM&G" bloß modernistische "Krümelzählerei". "Jurassic Park? Lange vor Spielberg lasse Döblin schon die "special effects" zucken. Warum das Buch nicht längst berühmt ist? Nicht nur Leser und Döblin-Experten, sondern bereits der Autor höchstselbst sei an seiner Romankrake verzweifelt, und habe sich hernach an die germanistikompatible Abfassung seines Großstadtromans "Berlin Alexanderplatz" gemacht. Doch wer sich nun den lustvollen Lesetorturen aussetzen will, dem spricht Holbein Mut zu und legt auch die 170 "verdienstvollen Kleindruckseiten" Kommentar ans Herz.
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