Von der Erkenntnis geleitet, dass es eine Handlungstheorie als Konstitutionstheorie der Lebenswelt nicht bei einer Analyse der sinnhaften Seite des Handelns bewenden lassen darf, geht es Schütz in diesem Manuskript um die Rolle des "pragmatischen Motivs" bei der Konstitution des Ego als sozialer Person und der sozialen Welt schlechthin. Das Manuskript gewährt Einblick in die Werkstatt von Schütz' Denken, denn es ist in zweifacher Hinsicht für die Genese seiner Arbeit aufschlussreich. Erstens gibt es Auskunft über die vielfältigen theoretischen Positionen, auf die sich Schütz bezieht, und zweitens enthält es neue Motive, Denkfiguren und Fragestellungen, die für Schütz' späteres Denkend grundlegend sind und in Amerika fortgeführt wurden. Es zeigt, dass die Werkentwicklung zwischen den europäischen und amerikanischen Jahren sachlich nie unterbrochen war
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 04.07.2003
Die "Theorie der Lebenswelt", so viel erfährt der Unkundige dann doch, ist eine "verstehende Soziologie": die Stoßrichtung ist phänomenologisch, das Thema sind der Alltagsmensch und seine sozialen Strukturen, das bevorzugte Verfahren die Beschreibung. Und der "herausragende Vertreter", weiß Matthias Kross, war der nach New York emigrierte Österreicher Alfred Schütz, der an der New School of Social Research lehrte und 1959 starb. Die Werkausgabe, informiert der Rezensent weiter, ist ein auf acht Bände angelegtes, überaus verdienstvolles Unternehmen: die Zusammenstellungen übersichtlich kommentierter und neu übersetzter Texte schaffen "eine zuverlässige Grundlage für die Erschließung des Gesamtwerks". Der vorliegende Band markiere den Übergang im Schütz'schen Schaffen zu ebenjener "pragmatischen" Theorie der Lebenswelt, mit der er, in Bezug vor allem auf Husserl, eine Gegenposition zur kritischen Soziologie und ihrer Betonung des Dynamischen in der Gesellschaft schuf.
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