Alphonse Daudet

Im Land der Schmerzen

Cover: Im Land der Schmerzen
Manholt Verlag, Bremen 2003
ISBN 9783924903039
Gebunden, 102 Seiten, 17,00 EUR

Klappentext

Aus dem Französischen von Dirk Hemjeoltmanns. Schnörkellos, sarkastisch und frei von jedem Selbstmitleid führt der Autor den Leser direkt in das Land der Schmerzen. Zwischen 1887 und 1895 notiert Alphonse Daudet in atemberaubender Sprache, deren Modernität mehr als überrascht, das Endstadium seiner Syphilis. Der Text ist sehr viel mehr als bloße Selbstbeobachtung, er ist eine metaphysische Betrachtung des Schmerzes, eine Auseinandersetzung mit einem unausweichlichen Prozess. Grundsätzliches mischt sich jedoch mit Anekdotischem, und so begegnen einem wie beiläufig in diesen Aufzeichnungen Daudets Schicksalsgenossen wie Baudelaire oder Jules de Goncourt.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 11.03.2004

In diesem Buch, in dem der französische Schriftsteller Alphonse Daudet seine Leiden im Spätstadium der Syphilis beschreibt, macht er sich selbst zum Studienobjekt, stellt Maike Albath in ihrer knappen Besprechung fest. Neben seinen Erfahrungen mit den verschiedenen Behandlungsmethoden erstellt er auch "beiläufig" eine "Typologie verschiedener Schmerzformen", vermerkt die Rezensentin beeindruckt, die überhaupt vom unsentimentalen, präzisen und klaren Stil dieser Krankengeschichte sehr eingenommen ist. Im Gegensatz zu seinen vielen Theaterstücken und Romanen hat dieses Buch "keine Patina angesetzt", lobt die Rezensentin, die darin die ganze "Pathologie einer Epoche" dargestellt sieht. Die Kommentare von Julian Barnes findet sei ebenfalls sehr "erhellend" und macht diesen Band zu einem aufschlussreichen "geistesgeschichtlichen Dokument", so Albath angetan.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 24.10.2003

Alphonse Daudets von Julian Barnes herausgegebenen Aufzeichnungen "Im Land der Schmerzen" haben Rezensent Robert Gernhardt sehr beeindruckt. Daudet, der sich als Siebzehnjähriger mit Syphilis infiziert hatte, protokollierte über zehn Jahre hinweg sein fortschreitenden Leiden, in der Hoffnung, die Notizen später einmal literarisch nutzen zu können. So entstanden sehr "direkt und kunstlos formulierte" Selbstbeobachtungen über unerträgliche Schmerzen. Hätte sich Daudet darauf beschränkt, von diesen Selbstbeobachtungen zu berichten, meint Gernhardt, "wir legten das Buch vermutlich bald aus der Hand, mit einem Gefühl der Erleichterung und des Mitleids". Doch zur Freude Gernhardts bleibt es nicht dabei. Ausgiebig zitiert Gernhardt aus den Aufzeichnungen, lobt die "sehr anrührenden eigenen" Bilder und fühlt sich bei Daudets "hochgestimmter wie hochfahrener Anrufung des Schmerzes" an Rilke erinnert. Auch die Einleitung, das Nachwort und die "so kenntnis- wie hilfreichen Anmerkungen" von Julian Barnes haben ihn überzeugt. Wer sich von Daudet durchs Land der Schmerzen hat führen lassen, resümiert der Rezensent, weiß mehr: "Dass der Schmerz groß ist, so groß, dass sich auch für ihn Worte finden lassen, sowie: Dass man niemandem wünschen kann, jemals nach ihnen suchen zu müssen."

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 09.10.2003

Was ist Schmerz, aber vor allem: Was bleibt von ihm, wenn man ihn zu beschreiben sucht? Benedikt Erenz hat sich wider Willen faszinieren lassen von den "70 unerbittlichen Seiten", die Alphonse Daudet vor mehr als hundert Jahren mit seinen Aufzeichnungen aus dem "Land der Schmerzen" füllte, als ihn die Syphilis ganz in Besitz nahm. Doch kein "archaischer Märtyrer" sei er gewesen, sondern ein erfolgreicher und lebenslustiger Autor, der versuchte, "sich im Moment der Pein zum Sprechen zu bringen", um das Unmögliche zu probieren: den tiefen Graben zu überspringen, der das Empfinden von den Worten trennt, die - ach! - doch immer wieder nur die Erinnerung an das Gefühlte wiedergeben. Daudet umkreist, verfolgt den Schmerz, sucht ihn in Bildern zu fangen, und erreicht Erenz zufolge mit seinen Beobachtungen und Skizzen die Meisterschaft Tschechows. Überhaupt ist er ein "Großer", meint Erenz und weist bei dieser Gelegenheit auf Daudets Romane hin, die "aufs Regal gleich neben Zola" gehörten.

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