Die sogenannte Syphilisfrage ist von Beginn an ein Thema der Nietzscheforschung. Das vorliegende Buch versucht diese Frage zu beantworten, indem es sich auf eine aufwändige Spurensuche bis zurück zur Syphilis der Renaissance-Päpste begibt. Wie war in verschiedenen Zeiten der Umgang mit der Krankheit und der fortwährenden Furcht, infiziert zu sein? Mit welchen Subtexten bringen Dichter und Denker zur Zeit Nietzsches das Thema zur Sprache? Und wie gab Nietzsche selbst in seinen Werken und Briefen davon Kunde? Das Buch betrachtet Nietzsche im europäischen Kontext des 19. Jahrhunderts, in dem die Angst vor der Lustseuche allgegenwärtig war. Christian Niemeyers Nietzsche-Lektüre im Zeichen der Syphilis eröffnet überraschende Deutungsmöglichkeiten im Werk Friedrich Nietzsches.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 22.12.2020
Rezensent Micha Brumlik empfiehlt nachdrücklich diese Nietzsche-Monografie des Psychologen und Nietzsche-Forschers Christian Niemeyer, der darin eine steile These vorlege: Anhand von Nietzsches Syphilis-Erkrankung versucht Niemeyer die Berechtigung der nationalsozialistischen Einvernahme von Nietzsche zu widerlegen, klärt Brumlik auf. Mit großem Interesse folgt der Rezensent dem versierten Nietzsche-Spezialisten zunächst auf einer "Spurensuche" durch medizinische und medizinhistorische Schriften zu Nietzsches Todesursache, schließlich der Frage, wie die Krankheit Nietzsches Schriften prägte, um den Autor zuletzt auf einer umfangreichen Reise durch die Literaturgeschichte der Syphilis von Rousseau bis Schnitzler zu begleiten. Der These, dass Nietzsches menschenfeindliche Äußerungen auf Selbsthass zurückgehen, kann der Kritiker gut folgen, auch weil Niemeyer deren Nähe zur nationalsozialistischen "Rassenhygiene" nicht anzweifelt. Vor allem aber empfiehlt er das Buch mit Blick auf die aktuelle Pandemie: Wie Krankheiten den Zeitgeist prägen, ist hier vorbildlich nachzulesen, meint er.
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