Aus dem Englischen übersetzt und herausgegeben von Gisbert Haefs. In gewitzten Stichworten von A wie "Abendland" bis Z wie "Zyniker" erklärt Bierce den Lauf der Dinge, gesehen durch die Brille eines schwarzhumorigen Pessimisten. Bei der Zusammenstellung seiner Misanthropismen ließ "Bitter Bierce" die reine Willkür walten. So folgt auch in der Übersetzung auf die "Braut" das "Brechmittel", auf "Betragen" das Wort "betrügen" und auf den "Erzbischof" der "Esel". Bierce Spott gilt sozialen, politischen und charakterlichen Missständen, seine Geißel triff t Machthaber und Autoritäten jeden erdenklichen Kalibers.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 30.12.2013
Hundert Jahre ist es her, dass der amerikanische Feuilletonist und Aphoristiker Ambrose Bierce zum letzten Mal gesehen wurde, bevor er in die Wirren des mexikanischen Bürgerkriegs entschwand. Dass der Manesse Verlag aus diesem Anlass einen solch hübschen Band in der superpräzisen Übersetzung von Gisbert Haefs herausbringt, freut die Rezensentin Judith von Sternburg sehr. Falls jemand nicht weiß, mit wem er es hier zu tun hat, erklärt Sternburg: Verglichen mit Bierce war Oscar Wilde eine "Salonmiezekatze", und Mark Twain ein guter Onkel. Der Mann, reibt sich Sternburg die Hände, war nicht nur "durchtrieben und witzig", sondern richtig böse - "strikt böse". Sternburg gibt etliche Beispiele seiner sardonischen Kunst und versichert, dass man sich den Aphorismen auch dann nicht entziehen kann, wenn man begriffen, wie sie funktionieren: "nach rechter Satansbratenart".
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 04.11.2013
Herrlich findet Burkhard Müller dieses Lexikon, schon wegen des schwarzen samtigen Einbands und des züngelnden Lesebands. Innen gefällt ihm das Buch auch. Und zwar weil Ambrose Bierce seine versammelten Zeitungskolumnen scharf zu würzen weiß und unnachgiebig gegen Dummheit, Heuchelei und Selbstgerechtigkeit zu Feld zieht. Dass Bierce mit "grimmig-heiterer Befriedigung" vorgeht, nimmt Müller als Ausweis des wahren Satirikers. Für den Rezensenten bedeutet das Spaß beim Lesen und immer wieder blitzhafte Einsichten, etwa ins Wesen des Kapitalismus. Etwas mehr rhetorisches Feingefühl bei der Übersetzung, meint Müller, hätte das Buch noch besser aussehen lassen.
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