Andre Gide

Die Ringeltaube

Erzählung
Cover: Die Ringeltaube
Deutsche Verlags-Anstalt (DVA), München 2006
ISBN 9783421058966
Broschiert, 80 Seiten, 9,90 EUR

Klappentext

Mit einem Vorwort von Catherine Gide, einem Geleitwort von Jean-Claude Perrier und einem Nachwort von David H. Walker. Aus dem Französischen von Andrea Spingler. Eine bisher unveröffentlichte Erzählung aus dem Nachlass - Gides frühes Bekenntnis zur Homosexualität. Am 28. Juli 1907 besucht Andre Gide das Fest seines Freundes Eugene Rouart. Man amüsiert sich, der Wein fließt in Strömen. Gide entdeckt den jungen Ferdinand Pouzac und ist von dessen erotischer Ausstrahlung fasziniert. Er beobachtet ihn und sucht seine Nähe, bis Ferdinand ihn schließlich spät in der Nacht nach Hause begleitet. Dort geben sie sich der Liebe hin. Ferdinand, der bei der Liebe gurrt wie eine Taube, trägt fortan den Spitznamen "die Ringeltaube".

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 07.12.2006

Die Vorurteile, gegen die Andre Gide früher hatte ankämpfen müssen, sind zwar verschwunden, schreibt Rezensent Martin Lüdke, trotzdem sei aber besonders eine Geschichte aus dem Erzählband "heute noch lesenswert". In "Die Ringeltaube" beschreibt Gide, der sich wegen seiner Homosexualität so manchen Vorwurf anhören musste, eines der ersten homoerotischen Erlebnisse, das er mit einem jungen Mann hatte. Im Gegensatz zu derbem Sex stehe hier die Zurückhaltung im Vordergrund: "Durchaus dezent" beschreibe Gide die disziplinierten Zärtlichkeiten in der zwölfseitigen Geschichte. "Nicht immer frei von Kitsch" sei die Erzählung und sie wird, so orakelt der Kritiker, Gide nicht wieder ins Bewusstsein der Leser zurückholen. Eine "rührende" Geschichte sei "Die Ringeltaube" allemal, gerade weil Gide darin sowohl auf Exzess als auch auf Reue verzichtet.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 05.10.2006

Keinen großen Eindruck hat diese erst jetzt aufgetauchte Erzählung Andre Gides über ein homoerotisches Abenteuer in der Provinz bei Rezensent Jürg Altwegg gemacht. Dem knappen, mit einem unfangreichen Apparat versehenen Text kann er nicht viel abgewinnen. Allerdings räumt er ein, dass er für Kenner der homosexuellen Sittengeschichte erhellend sein mag. Zudem sieht er darin eine Ergänzung der Biografie des Dichters um eine Episode, die er als Gides "schönstes erotisches Erlebnis" bezeichnet. So wertet Altwegg den Text dann auch als Ausdruck einer bei Gide selten anzutreffenden "Lebensfreude und Lebenslust". Literatur aber sieht für ihn anders aus.

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