Von der Postmoderne wird behauptet, sie führe zu Relativität und Unverbindlichkeit, Bindungen verlieren ihren Wert und lösen sich auf. Allerdings kann die Postmoderne auch entgegengesetzt gedeutet werden: Sie hat das Ungenügen aufgedeckt, das in traditionellen Vorstellungen von Bindung liegt. Sie lädt dazu ein, Bezogenheit neu zu denken: die verschiedenen Weisen der Gestaltung zwischenmenschlicher Beziehungen, die politische Ordnung für demokratische Teilhabe von Gruppen sowie Individuen verschiedenster Interessen, ferner nichtpatriarchale Beziehungen innerhalb von Gemeinwesen anderer Kulturen und anderer Zeiten, letztlich das Subjekt als Beziehung. Für die abstrakteste Form, Bezogenheit zu denken, stand traditionellerweise "die Welt". Die Welt war ein zentraler Begriff der Metaphysik. Für eine feministische Philosophin wiederum sind Weltverachtung und Frauenverachtung, aber auch Postmoderne und Metaphysikkritik eng miteinander verbunden.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 24.04.2004
Der Rezensent mit dem Kürzel "mim." findet das Thema dieser philosophischen Abhandlung interessant, weil die Frage nach dem Tod in der Philosophie schon immer ausführlich beleuchtet wurde, die Frage nach der Geburt und ihren Implikation für die Weltbezogenheit des Menschen dagegen bisher eher eine randständige Rolle gespielt hat. Die Freiburger Philosophin Andre Günter nähert sich der Frage der "Gebürtigkeit" in 16 Beiträgen und entdeckt in dem "Reizthema" (denn ein positives Verständnis der Beziehung zur Mutter sei nach wie vor schwierig) reichlich "Überraschendes". Auch die Art und Weise der Aufbereitung der Thematik gefällt dem Rezensenten: sie sei so "hartnäckig wie behutsam"
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