Köln 1952: Der Krieg ist noch nicht lange vorüber, als Wilhelm im Zimmer einer Wohnung steht, in das er eine Wand einziehen soll. Ein Auftrag, auf den der Handwerker sich keinen Reim machen kann, wo die Wand doch Licht wegnehmen wird. Die Bewohner aber, Margot und ihr Sohn Fred, gehen ihm danach nicht mehr aus dem Kopf. Margot ist Luxemburgerin und stammt aus großbürgerlichem Milieu, doch als sie mit siebzehn ein uneheliches Kind erwartet, steht sie vor den Trümmern ihrer Existenz. Sie muss ihre Heimat verlassen und ist mitten im Krieg auf sich allein gestellt. Als sie Jahre später nach Köln kommt, hat Margot Schuld auf sich geladen, und auch Wilhelm hat der Krieg traumatisiert. Wilhelm, Margot und Fred sind Verlorene - auf der Suche nach einem Zuhause, wie kein Ort es einem bieten kann. Also suchen sie das Zuhause beieinander, ohne zu wissen, ob dieses fragile Gebilde namens Familie halten wird.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 19.10.2021
Rezensentin Kristina Maidt-Zinke hat im Grunde ein wenig die Nase voll vom deutschen Generationenroman, vor allem wenn er autofiktional daherkommt. Aber für Andrea Heusers knapp 600-seitiges Epos macht die Kritikerin gern eine Ausnahme: Denn wenn die Autorin hier von den Großeltern ihres Vaters erzählt, vor allem von Großmutter Margot, die in Luxemburg aufwuchs, in jungen Jahren von einem deutschen Besatzer geschwängert und von den Eltern mit einem Nazi verheiratet wird, verfällt die Rezensentin schnell dem Bann des Romans. Margot flieht bald mit ihrem Sohn nach Köln, die Tochter lässt sie zurück, einen Neuanfang samt großer Liebe findet sie mit Handwerker Willi. All das erzählt Heuser rasant, dialogreich und warm, mit viel "Zeitgeschichte und Lokalkolorit", meint die Kritikerin, die das Buch vor allem für lange Winterabende empfiehlt.
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