Der zentrale Gegenstand der philosophischen Ästhetik ist nach Kant die ästhetische Lust: denn ohne sie gäbe es keine schönen Dinge. Seit Kant stehen sich nun zwei Modelle der Lust am Schönen gegenüber: Das eine versteht die ästhetische Lust als Freude an einer besonderen Erkenntnis, das andere beschreibt diese Lust als Vergnügen an einem Spiel, in dem wir gerade frei sind von Erkenntnis. Beide Modelle, das Erkentnismodell der hermeneutischen wie das Spielmodell der formalistischen Tradition, sind, so Kerns These, in einem falschen Gegensatz gefangen. Kern löst diesen Gegensatz auf, indem sie im Anschluß an Kant die Theorie der ästhetischen Erfahrung von deren entscheidendem Merkmal her entwickelt: der ästhetischen Lust.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 04.09.2000
Ralf Konersmann ist nicht überzeugt von diesem Buch, dem er unfreiwillige Komik attestiert. Er kritisiert, dass die Autorin eine "werkfreie Theoriediskussion" vom Zaun bricht, die sich der besprochenen Werke lediglich als Illustration der von vornherein festliegenden "ästhetischen Vorentscheidungen" bediene. Zudem stütze sie sich ausschließlich auf Kant und ignoriere neuere Forschung zur Ästhetik. Die Untersuchung ist im Kern "scholastisch", tadelt der Rezensent, den die Ergebnisse der Autorin noch dazu "wenig überraschen".
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 24.06.2000
Muss die „Lust am Schönen“ einfach „seziert, zerlegt, auf den Begriff gebracht werden“, fragt der Rezensent mit dem Kürzel "lx". Die Autorin dieser Dissertation, Andrea Kern, scheint - zusammen mit Kant - jedenfalls Gefallen daran gefunden zu haben. Sie untersuche zwei Strömungen der philosophischen Ästhetik: Die einen unterstreichen die Freude an der„besondere Erkenntnis“, die anderen die Faszination an der „Einbildungskraft“. Mit großer „Ausdauer“ baue die Kantanhängerin ihre Argumentation auf, was angesichts der „verschnörkelten“ Ästhetiktheorien ein Lob verdiene, meint "lx". Wohlgefallen fällt eben nicht immer leicht.
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