Der US-Kongress hat in den vergangenen fünfzig Jahren für Parlamentarier berufsethische Vorschriften erlassen, die heute weltweit zu den strengsten zählen. Sie sollen die geistige Unabhängigkeit der Volksvertreter und die Glaubwürdigkeit der politischen Institutionen sichern. Außerhalb der USA hat die Reglementierung der Berufsethik im amerikanischen Kongress bisher wenig Beachtung gefunden. Dabei könnten andere Länder, die kein so ausgefeiltes Regelwerk kennen, von den amerikanischen Erfahrungen lernen ? von den positiven wie den negativen. Andrea Martel liefert mit ihrer Analyse der Ethikregeln im US-Kongress aufschlussreiche Ergebnisse und Denkanstösse für eine vergleichende Beurteilung der Standesregeln in europäischen Parlamenten, nicht zuletzt auch im schweizerischen National- und Ständerat.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 29.10.2001
Andrea Martel hat 15 Monate als Volontärin im Stab eines US-amerikanischen Senators gearbeitet und ihre Erfahrungen für eine Dissertation über Ethik und Korruption verwertet, weiß Rezensent Gerd Roellecke. "Kenntnisreich", "klarsichtig", "scharfsinnig" und "nüchtern" lauten die lobenden Worte des Rezensenten über die Autorin der Doktorarbeit. Roellecke zumindest ist eines traurig deutlich geworden: Der amerikanische Kongress, das zeige Martels Entstehungsgeschichte der Ethikregeln, rang sich immer in dem Moment eine neue Ethikregel ab, wenn seine Glaubwürdigkeit anders nicht mehr haltbar war, weniger aus "innerer Überzeugung". Also, schließt der Rezensent, gehe es hier nicht um Ethik, sondern um Organisationssoziologie. Martels Schrift jedenfalls sei nicht nur aufschlussreich, sondern auch eine empirisch-soziologisch glänzend verwertbare Fallstudie und eine solide Basis für einen Rechtsvergleich mit anderen Ländern.
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