Dissertation. 1933 schuf die NS-Regierung mit dem "Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses" die Grundlage für ihre Politik der Eugenik. Die Durchführung dieses Gesetzes stellte die Ärzte, die einerseits nationalsozialistisch organisiert, zugleich aber dem Ethos ihres Berufs verpflichtet waren, vor eine Gewissensentscheidung. Astrid Ley zeigt hier erstmals umfassend, wie sich Ärzte im Spannungsfeld von eugenischer Ideologie und traditioneller Berufsethik verhielten und in welchem Umfang sie an der NS-Selektionspolitik beteiligt waren.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 20.12.2004
Sehr aufschlussreich findet Rezensent Gotthard Jasper Astrid Leys Untersuchung des Verhaltens verschiedener Ärztegruppen zum Gesetz über die Zwangssterilisation von 1934. Die Autorin schildere "präzise" die Entstehung des "Erbgesundheitsgesetzes", die vorherrschende Kommentierung sowie die prozessualen Abläufe. Auf Grundlage bislang unerschlossener Quellen untersuche Ley die Position von niedergelassenen Ärzten, von beamteten Fürsorgeärzten und Anstaltspsychiatern: Während die niedergelassenen Ärzte nur äußerst selten von ihrer Anzeigepflicht Gebrauch machen, ja das Gesetzt teilweise boykottierten, zeigten die Fürsorgeärzte ihre einschlägigen Patienten bereitwillig an und verstanden sich selbst als eine Art "erbbiologisches Ermittlungsbüro". Zurückhaltender wirkten dagegen die Anstaltspsychiater, die auf ihre alleinige Kompetenz in Fragen der Sterilisationsindikation pochten. Die Unterschiede im Verhalten der drei untersuchten Ärztegruppen machen nach Jaspers Ansicht deutlich, dass weniger die eugenisch-volkspolitischen Überzeugungen der Ärzteschaft und deren relative Nähe zum Nationalsozialismus eine Rolle spielten. Es waren vielmehr die jeweiligen "Partikularinteressen" der unterschiedlichen Gruppen und ihr spezifisches Verhältnis zu ihren Patienten, die für die Umsetzung der nationalsozialistischen Sterilisationspolitik ausschlaggebend waren.
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