Andreas Martin Widmann

Die Glücksparade

Roman
Cover: Die Glücksparade
Rowohlt Verlag, Reinbek 2012
ISBN 9783498035655
Gebunden, 218 Seiten, 16,95 EUR

Klappentext

Simon ist fünfzehn, als er mit seinen Eltern auf den Campingplatz zieht, wo sein Vater ein Mann mit vielen Plänen, die nie ganz aufgehen als Platzwart zu arbeiten beginnt. Er ist eine Art Glücksritter, bloß hat ihn seine Suche mehr und mehr an den Rand der Gesellschaft geführt. Und so finden sich Simon und seine Mutter in einem Container wieder inmitten von Dauercampern, einfachen Leuten, die den sozialen Abstieg der Familie beobachten und mehr oder weniger Anteil daran nehmen. Da ist zum Beispiel "Bubi" Scholz, ein gutherziger Alter, der sich seinen Spitznamen von dem berühmten Boxer geliehen hat. Oder Lisa, die hübsche Tochter der Hellers, von der es heißt, sie solle eine eigene Fernsehshow bekommen, die "Glücksparade". Zu Lisa fühlt Simon sich hingezogen und unterstellt seinem Vater eine Affäre mit ihr. Und tatsächlich verbindet die beiden ein Geheimnis, aber eines anderer Art.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22.05.2012

Nicht nur beiläufig fühlt sich Rezensentin Nicole Henneberg beim Lesen dieses Debüts an Salingers Holden Caulfield erinnert. Andreas Martin Widmanns Held, der in einem desolaten Trailerpark, dem Wohnort seiner Familie, versucht, an der Schwelle zum Erwachsenwerden der Welt etwas Schönheit abzugewinnen, hat für sie den gleichen melancholischen und zugleich kühlen Blick wie Salingers Figur. Auch der rhythmische Stil scheint Henneberg der amerikanischen Erzähltradition verpflichtet. Insgesamt schätzt sie das Buch für die einfühlsame Darstellung seiner Hauptfigur und die Erschaffung eines psychologischen und literarischen Raumes am Rand der Gesellschaft. Widmann gelingt es ganz offenbar, die Rezensentin zum Fantasieren über die Vor- und die Nachgeschichte des Romans anzuregen.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 13.03.2012

Ein Debüt mit einem Gefühl und einer Sprache für die Suchbewegungen und Sehnsüchte des Heranwachsens hat Christoph Schröder hier dankenswerterweise für sich und uns entdeckt. Laut Schröder gelingt dem jungen Autor ein kleiner Entwicklungsroman aus dem Prekariat. Besonders die kontrollierte Zurückhaltung in der Beschreibung einer potenziell endzeitlichen Atmosphäre hat Schröder imponiert. Für ihn evoziert der Text so eine Traurigkeit, zu der Andreas Martin Widmann Kontrapunkte zu setzen weiß, die "umso heller" strahlen. Sehnsucht etwa. Für Schröder eine Art Komplementär zu der konjunktivischen Lebensform von Widmanns Figuren.
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