Was steckt hinter der neuen grünen Bürgerlichkeit, die immer mehr Menschen anspricht? Und was hat der heutige Biokonsum im Zeichen der Nachhaltigkeit noch mit dem Umweltbewusstsein der 70er und 80er Jahre zu tun? Andreas Möller blickt tief in die deutsche Seele. Sein Buch zeichnet die historischen Eckpunkte der deutschen Naturverehrung nach von der Romantik über das Dritte Reich bis zur Welt von Manufactum. Es zeigt anhand vieler aktueller Beispiele, wie das grüne Denken in Deutschland zu einem nationalen Mythos werden konnte und was die Realtitätsflucht der Generation Landlust für unsere Gesellschaft bedeutet.
Sehr verärgert ist Rezensentin Annette Jensen nach der Lektüre dieses Buches, das vorgibt, Antworten auf legitime Fragen zum Bio- und Ökoboom (etwa auch nach dem Naturbild dieser Bewegungen) zu liefern, sich am Ende aber ihrer Meinung nach als bloßes Sammelsurium entpuppt. Zwar erfährt die Rezensentin "etwas übers Wetter, den Straßenbelag, die Qualität des Kaffees und die persönliche Befindlichkeit" des Autors, Fakten und Analysen fehlen ihr aber. Beispielhaft erscheint ihr dabei, dass der Autor zwar an einer Stelle beteuert, sich mit einem Experten über einen Sachverhalt unterhalten zu haben, vom Inhalt des Gesprächs aber schweigt. Auch ist Jensen verärgert darüber, dass einige präsentierte Fakten falsch oder verzerrt seien und das Buch ein gefühliger Ton auszeichnet, den Möller selbst ja gerade den technikskeptischen Ökos unterstellt.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 17.04.2013
Viktor Funk ist sehr beeindruckt von diesem Buch. Seiner Darstellung zufolge polemisiert Andreas Möller darin nicht einfach gegen die Heuchelei vielfliegender Bio-Einkäufer, sondern befasst sich ganz ernsthaft mit der - nun ja - Heuchelei der Großstädter, denen die harmonische und belebende Natur zur Ersatzreligion geworden sei. Funk findet die "Green German Angst" hier ebenso neu und richtig analysiert wie Technikskepsis, Widersprüchlichkeit und Naturverherrlichung in der einschlägigen Klientel. In Funkes Darstellung ist diese allerdings nicht sonderlich klar konturiert, in das große "Wir" fließen alle Gegensätze der Welt: Wir impfen unsere Kinder nicht mehr gegen Masern, wir exportieren unsere Fleischberge nach Afrika.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 11.03.2013
Sich der globalen Verantwortung stellen, statt Urban Gardening zu betreiben - das ist doch mal ein Vorschlag, freut sich Manuela Lenzen, die das Buch des Technikhistorikers Andreas Möller als Ratschlag liest, wie wir die haarsträubenden Inkonsistenzen unserer Naturbegeisterung in den Griff kriegen. Wenn der Autor Kraftwerksbetreiber, Biohändler, Simmel und Karl den Käfer befragt und feststellt, dass eine Wohlfühlnatur weniger mit der Realität zu tun hat als mit Lifestyle, und dass ohne Hightech mal gleich gar nichts mehr geht und unsere Lebensqualität ganz schnell sinken würde, hört Lenzen zwar mitunter eine allzu wohlfeile Nivellierung der Ökobewegung heraus. Wichtiger jedoch erscheint ihr, was Möller außerdem konstatiert: Der Einfluss des Menschen auf die Natur wird leicht überschätzt im Guten wie auch im Schlechten.
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