Ob mit Philharmonikern oder Kammerorchestern, ob italienische Oper, Wiener Klassik, Wagner oder Haydn: Adam Fischer zählt zu den weltweit begehrtesten Dirigenten der Gegenwart. Aufgewachsen in einer Musikerfamilie in Budapest gelang es ihm früh, für die Ausbildung in Wien die kommunistische Heimat zu verlassen. Als interessierter politischer Geist wurde er zu einem Vorkämpfer für die Durchlässigkeit des Eisernen Vorhangs und verfolgt bis heute die Politik in Ungarn äußerst kritisch. Andreas Oplatka zeichnet in seiner Biografie den Werdegang dieses Künstlers nach, der in seiner Bedeutung an die Vorbilder Carlos Kleiber und Nikolaus Harnoncourt immer näher heranrückt.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 07.09.2019
Gerald Felber bekommt ein feinfühliges Porträt eines ebenso feinfühligen Künstlers mit Andreas Oplatkas Biografie des ungarischen Dirigenten Adam Fischer. Bemerkenswert findet er die Recherchearbeit des Autors bei Familienmitgliedern und Musikern sowie die trotz aller Geneigtheit beim Autor erkennbare abwägende Sachlichkeit im Ton, seine Sorgfalt und Diskretion. Wie der Historiker gänzlich ungeschwätzig auch von Krisen und vom politischen Engagement Fischers berichtet, scheint Felber angenehm. Etwas mehr Leben hätte Felber der Biografie allerdings gewünscht, wenn Oplatka von der ein oder anderen Demütigung des Künstlers durch blinde Politik erzählt. Beim Thema Regietheater wieder hört Felber allzu sehr die Meinung des Autors heraus. Der gute Gesamteindruck nimmt davon aber keinen Schaden, versichert er.
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