Sechs Fallstudien zu den Folgen städtischer Katastrophen zwischen Antike und Gegenwart. Wie in der Gegenwart, so forderten Feuersbrünste, Erdbeben, Überschwemmungen und Kriege auch in der Vergangenheit unzählige Todesopfer, verwüsteten Landschaften und zerstörten Städte. Immer bedeuteten Katastrophen für die Überlebenden einen tiefen Lebenseinschnitt, der gedeutet und verarbeitet sein will. Die Beiträge des Bandes untersuchen epochenübergreifend die bewusstseinsprägende Wirkung solcher Katastrophen für städtische Gemeinwesen und ihre Bewohner. Gefragt wird danach, ob und wie bei der baulichen Neugestaltung des Stadtraums an Traditionen angeknüpft wird, ob Katastrophen zum Anlass für eine Intensivierung der Verwaltungsbemühungen genommen werden und danach, wie die Erinnerung an die Zerstörung im öffentlichen Gedächtnis bewahrt wird. Die Themen: Stadtzerstörung und Wiederaufbau in der Antike / Die Zerstörung Bagdads 1258 / Erdbeben in Basel 1356 und Großfeuer in Frankenberg 1476 / San Francisco und das Erdbeben 1906 / Dresden 1945 / Halle und Leipzig 1989.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 21.09.2004
Gelungen findet Olaf B. Rader diesen Band über Katastrophenbewältigung von der Antike bis heute. Den Autoren geht es weniger um die Stadtzerstörungen selbst, als um die Gemeinschaften, die in deren Gefolge auftreten können, berichtet Rader. Aus Depression sei dabei oft Aufbruchstimmung entstanden. Als "sehr interessant" lobt er die im Band versammelten Fallstudien über die Frage, wie diese Einträge im kulturellen Gedächtnis konkret funktionierten und teilweise immer noch funktionieren. Nur was als Katastrophe erlebt und im Gedächtnis gespeichert worden sei, so Rader, sei auch erst im Sinne der Erinnerungen eine Katastrophe. Neben Christoph Strupps Beitrag über das Erdbeben in San Franzisco hebt er Burkhard Meißners über Demetrios, dem Sohn des Alexandergegners Antigonos hervor, dessen Hauptbeschäftigung Eroberung und Zerstörung war. "Verblüffend zu lesen" findet er Stephan Connermanns Beitrag, der beschreibt, wie die Zeitgenossen die Einnahme Bagdads durch die Mongolen im Jahre 1258 sahen und wie es Saddam Hussein verstand, dieses Bild mit dem Einmarsch britischer und US-amerikanischer Truppen gleichzusetzen. Abschließend hält der Rezensent fest, dass mit dieser Kulturgeschichte der Katastrophenbewältigung zugleich eine Kulturgeschichte der Erinnerungstechniken und Kommunikationsstrategien vorliegt.
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