Aus dem Englischen von Richard Barth. Andrew Blum besucht die physischen Kathedralen der digitalen Welt und vollbringt das Wunder, dass wir uns das "Zauberding" Internet endlich vorstellen können. Er führt uns beispielsweise durch den DE-CIX in Frankfurt, einen gigantischen Knotenpunkt, den fast alle deutschen Mails auf ihrem Weg in die Welt passieren. In die monumentalen Datenspeicher von Google, Microsoft und Facebook, die ganzen Städten gleichen und in denen Nanosekunden eine Ewigkeit bedeuten. Und wir sehen Kabel, die in abgeschiedenen Küstenorten im Ozean verschwinden, wo sie am Meeresgrund die Kontinente miteinander verbinden. Letztlich ist das Internet so real wie jedes Straßen- oder Eisenbahnnetz zuvor - und genauso angreifbar. Wir alle sind online. Wir sollten wissen, was das bedeutet.
Das Internet ist für die meisten ein abstraktes Gebilde, ein virtueller Raum, weiß Kilian Trotier, erst mit dem NSA-Skandal, in dem es auch um angezapfte Glasfaserkabel geht, gewinnen die Nutzer ein vages Bewusstsein für die Materialtät des Netzes. Der Reporter Andrew Blum wurde von einem Eichhörnchen, das sein Internetkabel durchbiss, schon früher auf die haptische Seite des Netzes aufmerksam und reiste fortan um die Welt, um sich ein Bild davon zu machen, was meist unsichtbar bleibt, fasst der Rezensent zusammen: Rechenzentren, Knotenpunkte, Routerräume und all die anderen "heiligen Orte unserer hoch technologisierten Gegenwart" besucht Blum und reist dafür nach Frankfurt, London und New York, aber auch in die unscheinbare Provinz. Indem der Autor für seine Orte die richtigen vermittelnden Gesprächspartner findet, wird aus dem eher trockenen Gegenstand eine spannende Reportage, meint Trotier.
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