Andrzej Stasiuk

Tagebuch, danach geschrieben

Cover: Tagebuch, danach geschrieben
Suhrkamp Verlag, Berlin 2012
ISBN 9783518126547
Kartoniert, 175 Seiten, 15,00 EUR

Klappentext

Aus dem Polnischen von Olaf Kühl. Zorniger hat Andrzej Stasiuk nie über Polen und den Westen geschrieben als nach seiner jüngsten Reise durch Südosteuropa. Zurück aus den Ländern mit ausgeprägter Persönlichkeit , wo Minarette neben Minen- und Gräberfeldern stehen, stößt er sich an obszönen Widersprüchen im eigenen Land: Nach Märtyrertum dürsten, aber zwischen zwanzig Chipssorten und erschwinglichen Tunesien-Angeboten wählen - wie passt das zusammen? Sieht Polen nicht längst aus wie ein zurückgebliebenes Deutschland? Bleibt der Südosten deshalb ein nie einzuholendes Ziel, weil den Reisenden dort eine Realität anspringt, die zu Hause verdrängt oder neutralisiert ist? Reisebilder und Reflexionen, Rhapsodie und Pamphlet - Andrzej Stasiuk radikalisiert in seinem neuen großen Prosatext seine Kunst des scharfen Blicks und der pointierten Poesie.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 09.02.2013

Judith Leister weiß Andrzej Stasiuks Prosaskizzen über seine Reisen durch Ostmitteleuropa zu schätzen. Sie sieht in den Arbeiten des polnischen Autors ein Lebensprojekt, eine große "literarische Bestandsaufnahme". Auch "Tagebuch, danach geschrieben", das die Eindrücke einer Reise auf den Balkan festhält, um in einer wütenden Abrechnung mit dem heimatlichen Polen zu münden, bezeugt für sie einmal mehr Stasiuks scharfen, mitunter polemischen Blick. Sie hebt besonders dessen kritische Auseinandersetzung mit nationalen Mythen in ihren diversen Maskeraden und ihren negativen Folgen in den verschiedenen Ländern Ex-Jugoslawiens hervor. Geradezu "mitreißend" findet Leister Stasiuks Polemik gegen sein Heimatland Polen.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 05.11.2012

Karl-Markus Gauß schätzt diesen Autor für seine Fähigkeit, die Verbindungen zwischen Roman und Reportage immer wieder fruchtbar zu machen. So auch in diesem Tagebuch, das Andrzej Stasiuk in drei Kapiteln, oder auch drei Romanen beziehungsweise drei Reportagen, wie Gauß hinzufügt, durch Albanien, durch Überlegungen zum Reisen durch den Südosten Europas und Gedanken zu seiner Heimat Polen führt. Verbunden sieht der Rezensent die drei Teile durch den berühmten Stasiuk-Sound, durch die Gefühle, Wahrnehmungen und Ängste des Autors sowie durch die damit einhergehende Anschaulichkeit der geschilderten Menschen, Orte und Begebenheiten. Was den Band für Gauß aber über alles bisher vom Autor Erschienene hinaushebt, ist eine Genauigkeit der Beobachtung und eine Bitterkeit des Urteils, die Gauß von Stasiuk so noch nicht kannte.
Stichwörter

Themengebiete


Beliebte Bücher

Julian Barnes. Abschied(e). Kiepenheuer und Witsch Verlag, Köln, 2026.Julian Barnes: Abschied(e)
Aus dem Englischen von Gertraude Krueger. Julian Barnes wird im Januar 2026 achtzig Jahre alt. Er weiß, dass die längste Zeit seines Lebens hinter ihm liegt, und er möchte…
Elias Hirschl. Schleifen - Roman. Paul Zsolnay Verlag, Wien, 2026.Elias Hirschl: Schleifen
Franziska Denk wächst im Umfeld des Wiener Kreises auf und leidet als Kind an einer seltsamen Krankheit: Jedes Symptom, von dem sie hört oder liest, bekommt sie sofort. In…
Dorothee Elmiger. Die Holländerinnen - Roman. Carl Hanser Verlag, München, 2025.Dorothee Elmiger: Die Holländerinnen
Mit blinkenden Warnlichtern fährt die Erzählerin, eine namenlose Schriftstellerin, an den Straßenrand, als ein unerwarteter Anruf sie erreicht. Am Apparat ist ein gefeierter…
Leila Slimani. Trag das Feuer weiter - Roman . Luchterhand Literaturverlag, München, 2026.Leila Slimani: Trag das Feuer weiter
Aus dem Französischen von Amelie Thoma. Mia, erfolgreiche Schriftstellerin in Paris, kämpft mit "brain fog", einem Gehirnnebel, der ihre Erinnerungen und ihre Arbeit beeinträchtigt.…