Vereinzelte Prosastücke und vereinzelte Menschen haben etwas gemein: Sie strecken die Hände aus nach Zusammenhang und ziehen sie eigensinnig immer wieder zurück. So etwa Georg Adam, älterer Junggeselle und Betreiber der Münchner Herrenboutique Adam & Söhne. Oder Friedrich, ein junger Mann, nach dem gewaltsamen Tod seiner Mutter in Heimen aufgewachsen, der nicht recht zu leben weiß. Oder Silvia Schnuppe, erfolgsmüde Hauptkommissarin bei der Münchner Mordkommission. In der alteingesessenen Boutique treffen ihre Geschichten aufeinander. Andere Stimmen dieses in kleinen Formen erzählten Texts wollen lieber nicht verkörpert werden. "Feierabend eines Fauns" ist ein kubistischer Erzählfluss.
Hellauf begeistert ist Rezensent Maximilian Mengeringhaus von diesem Buch, das man kaum auf eine einzelne literarische Gattung festlegen kann, ist es doch gleichzeitig eine Aphorismensammlung und eine komplexe, dreigliedrige Erzählung, die sich wiederum in mehreren nebeneinander stehenden Erzählungen auffaltet, wie er erklärt. Was an diesem Buch Erzählung ist, handelt jedenfalls einerseits von Maria Marciniak, einer drogensüchtigen Frau, die Opfer eines Femizids wird; von Marias Sohn Friedrich, der später bei einem Münchner Herrenausstatter landet; sowie von einer Hauptkommissarin, die Friedrich helfen möchte, was dieser nicht zulässt. Dazu beziehungsweise dazwischen treten immer wieder "Störgeräusche" in Form von, eben, Aphorismen oder auch Fernsehsendungen, einem Nachruf auf "René Pollesch" oder Nachrichten aus dem Ukrainekrieg, lesen wir. Einen "kubistischen Erzählfluss" ergibt das alles laut Diaphanes und Mengeringhaus scheint mit diesem Ausdruck einiges anfangen zu können. Jedenfalls wird der Rezensent ziemlich glücklich mit einem Buch, das viel von der Welt enthält, ohne den Anspruch zu erheben, sie zu erklären.
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