Wie weit muss Wirklichkeit in der Kunst neu erfunden werden, um darstellbar zu sein? Wie sehr bedarf gerade das nichtfiktionale Schreiben der "Phantasie für die Wahrheit des Realen" (Goethe)? Angelika Overath folgt der Spur großer Reporter, die im Gewohnten das Ungeheure entdecken, und sie begleitet scheinbar unauffällige Menschen, die ihren Eigensinn traumwandlerisch ernst nehmen und dabei zu verblüffenden Lebensentwürfen kommen. "Das halbe Brot der Vögel" ist das Buch einer Reporterin, die bereit ist, fremden Alltag so genau zu lesen wie ein hermetisches Gedicht, und eine Reportage zu komponieren wie ein Stilleben.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 24.05.2004
Der Rezensent mit dem Kürzel "bihu" lobt diesen inzwischen dritten Band mit "literarischen Reportagen" der 1957 geborenen Angelika Overath ausgiebig. Die Autorin schlage "einen ruhigen, niemals Aufmerksamkeit heischenden Ton an" und schildere "auch alltägliche Abläufe so, dass sie sich als sinnlich wahrnehmbare Momente entfalten". Bei ihr werde, so der Rezensent weiter, die journalistische Reportage "ins Literarische" erweitert. Außerdem lobt der Rezensent, dass die Autorin, die ihre Arbeit (unter anderem in einem Radio-Essay) auch "gattungstheoretisch" reflektiert, stets "mit großem Respekt vor ihren Gesprächspartnern und Themen" erzähle. Der vorliegende Band versammelt, so berichtet der Rezensent, "preziöse Miniaturen" vor allem aus Süddeutschland, dem Elsass und der Schweiz, und erzählt von "aus der Zeit gefallenen Welten" - von Winzern etwa, einem Gespräch mit der Witwe von Hermann Lenz und einer Schulklasse, die antike griechische Texte übersetzt.
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