Thomas Grimm

Das Politbüro privat

Honecker, Mielke, Stoph und Co. aus der Sicht ihrer Angestellten
Cover: Das Politbüro privat
Aufbau Verlag, Berlin 2004
ISBN 9783351025731
Gebunden, 280 Seiten, 17,90 EUR

Klappentext

Mit ca. 25 Abbildungen. In der DDR waren alle gleich, doch manche waren gleicher. Wie wenig der Alltag der Politoberen dem der Arbeiter und Bauern glich, berichten erstmals die Angestellten von Wandlitz. Sie erzählen von Absurditäten wie der Eislaufbahn, die sich Lotte und Walter Ulbricht jeden Winter vor ihrem Haus anlegen ließen, oder wie Willi Stoph seine Personenschützer zur Apfelernte abkommandierte. Ihre Erinnerungen vermitteln eine Geschichte des Politbüros "von unten". Sie dokumentieren den spießigen Pomp der DDR-Repräsentanten, wie etwa eines Günter Mittag, der selbst sein Mineralwasser aus dem Westen orderte und seinen Range Rover strecken ließ, um seine Beinprothesen bequem unterbringen zu können. Sie zeigen aber auch die Schattenseiten des Lebens im "inner circle": die Isolation und Einsamkeit der Bewohner von Wandlitz, wo gegenseitige Besuche verpönt waren und die Politikergattinnen sich ihre Zeit allenfalls mit "Soli-Basaren" vertreiben konnten.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14.02.2006

"Köstlich erzählt" sei vieles in diesem Buch, anerkennt Rezensent Thomas Grimm, "hübsche Anekdoten" reihten sich an "herrliche Absurditäten". Und er scheint alle Hoffnung fahren gelassen zu haben, dass sich heutzutage noch jemand darüber aufregt, in welch "völligem Gegensatz" zum "harten Alltag" die Bewohner der eingemauerten "Waldsiedlung" nördlich von Berlin gelebt hätten. Ein wohlfeiler "Unterhaltungsroman" sei so entstanden, in dem "die Haushälterin, der Personenschützer, der Lokführer des Regierungszuges, der Jäger und der Gärtner" lustige Geschichten wie die vom jagenden Ulbricht zum Besten gäben. Und darob nicht vergessen würden, auf ihren aufopferungsvollen und keineswegs lustigen Dienst hinzuweisen.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 25.03.2004

Dies ist ein Buch, bekennt Christoph Dieckmann, das er sofort in die Kategorie der überflüssigen Bücher einordnen wollte. Will man wirklich wissen, dass Trudchen Mielke einen Putzfimmel hatte, Honecker gern Kassler aß, Mittag Westwaren bunkerte und Honecker Hirsche schoss? Will man nicht. Aber trotzdem habe er sich festgelesen, gesteht der Rezensent ein. Koch, Gärtner, Bodyguard, sie sind es, die dem Autor Auskunft gegeben haben über die privaten Marotten, Vorlieben und Abneigungen der einst Mächtigen der DDR; und siehe da, staunt Dieckmann, es war genauso, wie man es sich vorgestellt habe, bloß noch kleinkarierter, enger. "Die DDR-Gewaltigen als Personal einer Dorfgeschichte", schreibt Dieckmann und verrät, dass er öfter kichern musste. Echte Perversionen sind nicht darunter, abgesehen von der Jagdleidenschaften mancher Herren, warnt Dieckmann vor falschen Erwartungen, vielmehr sei bedrückend, wie sehr ein Parzellendenken vorherrschend war, das es der Führungsgarde älterer Herren unmöglich machte, sich überhaupt ein freieres Leben vorzustellen.

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