Anja Schwanhäußer

Kosmonauten des Underground

Ethnografie einer Berliner Szene
Cover: Kosmonauten des Underground
Campus Verlag, Frankfurt am Main 2010
ISBN 9783593391908
Gebunden, 360 Seiten, 34,90 EUR

Klappentext

Berlin gilt als Stadt im ewigen Wandel und das Lebensgefühl im "Neuen Berlin" nach der Wende verkörpert niemand so gut wie die Underground-Szene. Diese Szene schweift im Stadtraum umher und funktioniert seine Leerstände zu "locations" um. Sie inszeniert sich als Subkultur und verweigert jegliche Kategorisierung. Die Autorin hat in intensiven Feldforschungen diese Szene aufgespürt und untersucht. Sie betritt damit Neuland in der Erforschung der Großstadt. Ihre Studie zeigt, wie durch Szenen eine spezifisch urbane Kultur entsteht und das Imaginäre der Stadt geformt wird. Sie liefert damit zugleich eine Charakterologie Berlins.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 14.09.2010

Philipp Goll zeigt sich nicht recht überzeugt von Anja Schwanhäußers ethnologischen Untersuchungen des Berliner Undergrounds, wobei er grundsätzlich Zweifel an dessen Untergründigkeit anmeldet. Denn erstens liegt das Thema im Trend, wie sich in mehreren Publikationen zeigt, zweitens werden die subversiven Ortsbesetzungen und Party-Zwischennutzungen mittlerweile durchaus offiziell vermarktet, so der Rezensent. Einige Erkenntnisse will er dann aber doch aus dem Buch mitgenommen haben, das "Kommunikationsweisen, Distinktionspraktiken und Lebensstile" der Party-Szene vor allem anhand von Flyern untersucht. Überwiegend "banal" dagegen scheinen Goll die persönlichen Beobachtungen der Autorin, wie etwa ihre Vermutung, die ausgesuchte Schmuddeligkeit der Szenekleidung verdecke möglicherweise ihre Hochpreisigkeit. Zudem bemerkt er eine gewisse theoretische Überfrachtung und auch die von Schwanhäußer in Anlehnung an Hakim Bey konstatierte politische Ebene der Szene sieht Goll mittlerweile dann doch eher einem ausgeprägten "Hedonismus" gewichen.

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